Wintergartenarbeit

Das bißchen Puderzuckerschnee verdeckt kaum, dass eine Menge Arbeit im Garten auf mich wartet.

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Gestern war nämlich die Baumschneiderin da, um die Obstbäume zurückzuschneiden. Irgendwann werde ich es selbst lernen, wie man Obstbäume zurückschneidet, aber bis dahin bin ich sehr froh und glücklich, nicht bei feucht-kaltem Wetter mit sehr scharfem Schnittwerkzeug auf hohen Leitern balancieren zu müssen. Ein Birnbaum, ein Apfelbaum und zwei Pfirsichbäume wurden eingekürzt und ausgedünnt, fast sechs Stunden hat das gedauert.Die Bäume werden zur „Gesundhaltung“ geschnitten, nicht um den Ertrag zu steigern. Der Apfelbaum sollte nicht mehr viel größer werden, denn an die Äpfel ganz oben kommen wir nur noch mit Leiter und diesem langen Greifpflücker.

Ein Nachbar hat mir letzten Sommer das Leben wegen dieses Apfelbaums ziemlich schwer gemacht, denn ein Ast ragte hinüber auf sein Grundstück. Ein Ast, an dem sehr, sehr viele Äpfel reiften …. er mag wohl keine Äpfel, sondern verlangte per Einschreiben mit Fristsetzung die Entfernung dieses Astes. Wir kamen dem nach, konnten aber der Bitte, den Baum insgesamt „ein großes Stück runterzuschneiden“ nicht nachkommen. Zum einen, weil wir das nicht können, zum anderen, weil wir das nicht wollen. Ich befragte  gestern die Baumschneiderin hinsichtlich der Rechtslage und weiß jetzt: der Nachbar kann uns gar nichts. Sicher kann er verlangen, dass auf sein Grundstück ragende Äste entfernt werden, die Höhe des (Obst)Baums kann er nicht bestimmen, auch weil der Baum schon sehr alt ist. Beim Pflanzen neuer Obstbäume sollten wir aber dringend beachten, dass der Abstand zum Nachbargrundstück drei Meter beträgt.

Beim Rückschnitt des älteren Pfirsichbaums wurde ich von der Baumschneiderin gerügt. Ich hatte die Fruchtmumien nicht von den Zweigen gepflückt. Das führt nun dazu, dass sämtlich Pilze und Krankheiten direkt wieder in die frischen Knospen hüpfen und den Baum erneut befallen. Außerdem wollte sie wissen, ob der Baum die Kräuselkrankheite habe (hat er, die Blätter schrumpeln lustig vor sich hin und verfärben sich leuchtend rot) und was ich dagegen zu tun gedächte. Ich erklärte, dass ich viele befallene Blätter abpflücke und den Baum ansonsten in Ruhe ließe. Aktiv kann man die Kräuselkrankheit aber auch behandeln, indem man bei 10°C Außentemperatur den Baum spritzt, mit einem Stärkungsmittel. Die Kräuselkrankheit verhindert nämlich die Photosynthese, was wiederum zu Gedeihstörungen des Baumes führt. Mit Blick auf meinen Pfirsichbaum, der in einem Jahr zwei Meter Umfang gewonnen hat, winkte sie ab: „Dieser Baum braucht das nicht.“

Vielleicht ist das besondere Gedeihen des Baumes auch darauf zurückzuführen, dass er auf der Plazenta des jüngsten Sohnes wächst. Der zweite Pfirsichbaum steckt einfach nur in der Erde, mal sehen, ob er schlechter wächst. (so eine Plazenta hat man deshalb zum Bepflanzen herumliegen, weil man es nicht übers Herz bringt, sie nach der Geburt einfach in den Hausmüll zu werfen. Stattdessen kann man sie auch drei Jahre in einer Tupperschüssel eingefrieren und hoffen, dass niemand sie als Gulasch auftaut, bevor der richtige  Ort für den finalen Aufbewahrungsort gefunden ist. Das ist ein klitzkleines Bißchen gruselig, ich weiß.)

Der Birnbaum ist unschätzbar alt. Als wir die Grüne Villa kauften, entdeckten wir ihn ganz hinten im Garten, jämmerlich unter Efeu und Winden begraben. Die Spitze hatte man ihm herausgeschnitten, doch im Herbst trug er so viele Birnen (die allerköstlichsten Birnen!), dass wir sicher waren: das war die Notfrucht, er hat noch mal alles gegeben, nächstes Frühjahr wacht er nicht mehr auf. Das tat er aber und weil er wieder Platz hatte, begann er zu wachsen. Die Baumschneiderin kam zum ersten Mal und begann den Baum zu retten. Sie behandelte die große Wunde, die beim Herausschneiden des Leitastes entstanden war und zog gleichzeitig eine neue Spitze heran. Wir hofften sehr, dass sich keine Pilze ansiedelten und pflückten brav sämtliche vom Birnenpilz befallenen Blätter vom Baum. Der Lohn sämtlicher Mühen ist, dass jetzt hinten im Garten ein prächtiger Baum steht, der jeden Herbst viele Birnen trägt. Die allerköstlichsten Birnen. Die ersten kann man Ende August essen, wenn sie knackig grün sind, die letzten Mitte September, wenn sie gelb sind und im Mund schmelzen.

Ich bin sehr glücklich, diese wunderbare Baumschneiderin gefunden zu haben. Sollten Sie in der Nähe von Nierstein leben und Hilfe im Garten oder bei der Gartengestaltung brauchen: Rothgarten

Alle Äste, Zweige und „Wasserschosser“ die jetzt kreuz und quer im Garten herumliegen, hätte sie auch mitgenommen und entsorgt, aber ich mache das recht gerne selbst. Es ist der Start ins Gartenjahr. Die Wasserschosser und Zweige schreddere ich und werfe den Mulch dahin, wo ich denke, dass er hinpassen könnte. Die Äste werden klein gesägt, sie sind prima Feuerholz zum Grillen.

Es geht wieder los. Hurra!

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