Vom Optimieren

Man ist ja nie zufrieden. Also das bedeutet, dass man ständig immer alles noch optimieren muss, eine Art innerer Verbesserungsprozess, der nie aufhört. Nie.

Besonders spannnend wird das in den Themenbereichen, in denen man sich erst seit neuestem auskennt. Also sich auf Partys (die, seitdem man beim Thema Kinder mitredet, im übrigen vormittags oder nachmittags veranstaltet werden, wegen der Kinder) mit Gleichgesinnten misst und somit diesen intrinsischen Ehrgeiz munter voran treibt.

Was ich aber eigentlich sagen will: Der Rasen, von dem hier ja bereits das eine oder andere Mal die Rede war, ist inzwischen gewachsen. Ein frisches Hellgrün erfreut er das Auge, eine samtweiche Unterlage die bebarfußten Extremitäten. Aber wehe, einer von uns stellt sich ins Obergeschoss ans Fenster, kneift die Augen zusammen und macht hellere, weniger dicht bewachsene Flecken aus. Ha!

Es folgt die Diagnostik, natürlich mittels einer großen Internetsuchmaschine. Soll man nicht machen, sagt schon jeder Arzt. Tun wir natürlich trotzdem und finden gleich sieben potentielle Diagnosen. Es könnte ja sein, dass der Rasen wirklich krank und nicht einfach nur jung, zart und frisch ist. Oder der Boden, da weiß auch wieder kein Mensch, wo der ursprünglich herkommt.

Nach unerquicklichen Stunden der Recherche entscheiden wir profimäßig wie immer: Der Rasen muss mal gedüngt werden. Sagt auch der Nachbar. Und der hat immerhin eine Rasenfläche in Bundesligaqualität unter seinen Loungemöbeln, welche spätestens alle vier Tage sicherheitshalber umplatziert werden.

Ich gehe also nachmittags, damit die Kinder mitkönnen, in den Gartenfachmarkt und plane eine ausführliche Fortbildung zu den verschiedenen Sorten Rasendünger. Gehalt, fungizide, bakterizide und wasweißichwelcheweitere Wirkung, Grünstufe, Körnung, Gramm pro Quadratmeter, Aussehen, undsoweiter.

Derweil der Nachwuchs leicht hektisch in der benachbaren Zooabteilung die Fische per Klopfzeichen zum Zurückgrüßen animieren will. Damit es aber weder Glasbruch noch Reanimationen im Aquarium geben muss, entscheide ich mich kurzerhand einfach für den Dünger mit dem romantischsten Coverbild:

Unterholz_Duenger_2016-06-14

Schnell noch ein paar Kleinigkeiten eingepackt – wo man doch schonmal da ist – und ab ins Auto, wo eine muntere Diskussion über Haustiere und deren Vorteile entsteht. (Ob es auf diesem Themengebiet allerdings überhaupt Optimierungspotential gibt, müssen wir noch festlegen.)

Abends findet dann mangels Düngewagen („Hätte ich den auch kaufen sollen? Nicht im Ernst, oder? Hättest Du das gemacht?“) das Auswerfen der kostbaren Bodennahrung chefmäßig per Hand statt. Zwischen zwei Gewitterschauern huschen wir elfengleich über das Grün und düngen, als hätten wir noch nie etwas anderes gemacht.

Unterholz_regen_2016-06-14

Der Dünger wirkt nun in Ruhe und mit viel Regen ein und wir sind wieder mal eins: nämlich gespannt. Auf das Ergebnis und natürlich auch auf alle weiteren ehrgeizig und profimäßig vorbereiteten Gartenprojekte.

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