Thorsten im Mitarbeiterjahresgespräch

Gestern hatte Thorsten sein Mitarbeiterjahresgespräch.

Es ist Mitte August, und die Performance in seinem Team ist leider unterdurchschnittlich. Als Leiter der Abteilung Greenhouse und in seiner operativen Funktion als Tomatenpflanze hat er bislang lediglich einen Output von drei Frühstückstomaten produziert. Damit bin ich als Garden Chairwoman zu diesem fortgeschrittenen Saisonzeitpunkt nicht zufrieden – und das sollte auch nicht Thorstens Anspruch als pioneer plant und ehemaliger  first mover sein. Es war höchste Zeit, miteinander in die Bütt zu gehen, um dem Business den entscheidenden Turn zu geben, bevor die Saison zu Ende ist.

Bislang – und den Schuh muss ich mir anziehen – hatte Thorsten keine klaren Wachstumsvorgaben. Wir haben bei seinem Start in meinem Garten lediglich über allgemeine Ziele gesprochen: fleischige, süße Früchte in angemessener Zahl bei kontinuierlicher Ernte. Wir waren uns außerdem einig, dass wir kein Quick-WinBusiness aufbauen, sondern nachhaltig im Sinne einer sustainable growth rate arbeiten.

Das hat Thorsten zu wörtlich genommen. Sein Team geht den Weg des geringsten Widerstandes und investiert in Blattwerk, statt sich auf seinen Unique Selling Point zu besinnen: Jede mittelmäßig talentierte Anemone hat Blätter, aber nur Tomaten haben Tomaten! Doch ausgerechnet bei seinem USP ist Thorstens Zielerreichung nicht akzeptabel. Auch wenn in meinem Garten das Motto „Kein Wachstum um jeden Preis“ gilt, muss es am Ende einen Return of Invest geben. We’re no charity!

Deshalb haben wir gestern Nachmittag lange geredet – was für Thorsten zugegebenermaßen nicht einfach war. Er tat sich zunächst schwer mit dem Gedanken, alte Gewohnheiten loszulassen, seine Führungsrolle ernst zu nehmen und sein Team in Richtung target achievement zu lenken. Im ausführlichen Feedbackgespräch haben wir uns darauf committed, den gemeinsamen Blick bis Ende November ausschließlich auf die business essentials zu lenken und als first step of progress alle low performing leaves sozialverträglich outzusourcen.

Die Abteilung Greenhouse sieht nun nicht mehr aus wie ein Wald. Die Arbeitsatmosphäre ist wesentlich heller und luftiger.

Tomatenpflanzen im Gewächshaus, unten ziemlich kahl

Das liegt auch an einer zweiten Maßnahme. Denn nicht nur für Thorsten galt gestern: Zurückstecken, um sich weiterzuentwickeln.

Weil in meinem Garten flexible Arbeitsmodelle und Diversity einen hohen Stellenwert haben, arbeitet Thorsten seit dieser Saison im office sharing mit Gurki. Schon sehr früh im farming process war klar, dass Thorsten und Gurki sich in der bewusst geschaffenen cross-border cooperation positiv befruchten. Leider investiert auch Gurki seine Expertise stark in Blattwerk; dahingehend agieren die beiden – ich vermute, sogar ohne jemals zielgerichtet darüber gesprochen zu haben – als mutual influencer. Ein interessanter Fall von subconscious agreement!

Gurki nimmt den Thorstens dadurch nicht nur Licht weg. Er liefert ihnen auch eine Entschuldigung für ihre below average performance: „Wir können ja nicht anders! Wären Gurkis Blätter nicht, wir würden ja sofort!“

Auch Gurki musste also Blätter lassen. Thorsten kann sich nun mit seinem Team unter Idealbedingungen beweisen.

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