Projekt Pomodopi: ja, warum eigentlich?

Hallo zusammen! Im ersten Beitrag zur Pomodopi-Serie habe ich erzählt, worum es im Groben geht und welche Probleme ich lösen muss. Ich habe aber noch noch nicht erzählt, wie die Umsetzung konkret aussehen wird, und das wird witterungsbedingt auch noch dauern, weil man mit Tomaten eben erst in einigen Monaten in medias res gehen kann. Ich plane ein Überbrückungsexperiment mit einer Topfpflanze,  dazu gibt des demnächst einen eigenen Artikel.

Inbesondere habe ich aber noch nicht erzählt, warum ich das alles überhaupt mache. Ehrlich gesagt, die Frage habe ich mir noch gar nicht gestellt, die stellen mir immer nur andere Leute. Dabei habe ich Feuchtigkeitssensoren in Blumenkübeln anfangs selbst nicht wirklich ernst genommen und mich öffentlich darüber lustig gemacht. Vor zwei Jahren habe ich auf der CeBIT einen Vortrag zum Thema „Messen, Schalten und Walten mit Linux im eigenen Haushalt“ gehalten (die Präsentation ist hier, falls Sie Interesse haben). Dabei geht es um das Auslesen des eigenen Stromzählers, um eine kleine Wetterstation und darum, wie man mit einem Raspberry Pi beliebige Haushaltsgeräte nach Gutdünken ein- und ausschaltet. Als Schlussgag gab es eine Folie mit einem WLAN-Feuchtigkeitssensor:

wlan-sensor

Dieses Teil kostete bei seiner Markteinführung einen dreistelligen Eurobetrag und funktioniert nur mit einer Handy-App, die den glücklichen Besitzer darüber informiert, dass er mal wieder den Ficus gießen könnte. Wenn ich das in meinem Freundeskreis herumzeige, ernte ich eine dieser beiden Reaktionen:

  • „100 Euro für etwas, das ich auch mit meinem Zeigefinger kann? Die spinnen, die Römer!“
  • „Schickes Spielzeug, aber wenn ich das nur über die App eines Herstellers auslesen kann, den es nächstes Jahr vielleicht nicht mehr gibt, will ich das nicht.“

Sie ahnen, wo das hingeht. Oh, und ist Ihnen aufgefallen, dass in dem zweiten Punkt gleich zwei Begründungen stecken, warum man das gerne selbst machen möchte?

Die erste ist: Cooles Spielzeug

Spieltrieb wird in unserer Gesellschaft unterbewertet. Kinder lernen durch Spielen, das weiß jeder, der mal ein Kleinkind mit Bauklötzen gesehen hat – Erwachsene aber auch! Es ist schön,  sich einfach mal davon freizumachen, das alles, was man tut, auch sinnvoll oder nützlich zu sein hat. Natürlich kann man Spaß und Nutzen miteinander verbinden – mein Lieblingsbeispiel sind Repair Cafés, in denen man unter fachkundiger Anleitung lernt, Kaputtes zu reparieren – aber das sollte kein Zwang sein.

Die zweite ist: Vendor Lock-In

Dieser stylishe Anglizismus bedeutet: Wenn ich mich für die Lösung eines Problems auf die Produkte eines Herstellers eingeschossen habe, ist es schwierig bis unmöglich, davon wieder loszukommen, ohne alles neu zu machen. Hat man aber von vornherein auf eine gewisse Offenheit geachtet oder – die Königsdisziplin – es gleich selbst gemacht, hat man viel mehr Kontrolle über alle Komponenten und kann es auch selbst reparieren und erweitern. Das geht natürlich nicht in jedem Lebensbereich, aber es geht nicht selten.

Sie müssen sich allerdings darauf einstellen, dass Sie früher oder später mit einem weiteren Anglizismus konfrontiert werden: Overengineering, oder wie der Ruhrgebietler sagt: „Sach ma, muss dat?“. Overengineering bedeutet, ein gegebenes Problem mit viel höherem Aufwand zu lösen, als nötig gewesen wäre. Das klassische Beispiel ist das Empire State Building. Weil ein so hohes Gebäude damals ein absolutes Novum war und die statischen Lastberechnungen noch ein paar Variablen zu viel hatten, wurde das Gebäude nach dem Motto „viel hilft viel“ gebaut. Eine spätere Generation von Architekturstudenten hat mal ausgerechnet, dass im Empire State Building etwa dreieinhalb mal mehr Stahl verbaut wurde als nötig gewesen wäre.

Den Vorwurf des Overengineerings kann ich nicht entkräften, denn er stimmt ja: 99,9 Prozent aller Menschen betreiben deutlich weniger Aufwand, um, sagen wir, die Weihnachtsbeleuchtung anzuknpisen oder Tomaten zu pflegen. Aber die haben nicht halb so viel Spaß dabei.

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Bis zum nächsten Mal!

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