Nach dem Düngen ist vor dem Düngen

Die Rasengeschichte geht natürlich weiter. Aber da so eine Düngung ja auch erst einmal einwirken, einregnen und ankommen muss und dazu noch diverse andere Schauplätze im Garten (Schnecken! Sumpfgebiete! Fehlendes Blühwerk!) abzuarbeiten waren, gibt es die Fortsetzung erst jetzt.

Wir haben also gedüngt. Aus dem Handgelenk und ohne Wagen. Der Dünger hatte eine neutrale Färbung, was das Wiederkennen auf dem Rasenboden auch nicht gerade vereinfachte. Hände voller Dünger wurden also generös über den etwa 300 m² Rasen verteilt. So in etwa würde es wohl passen, so dachten wir.

Es dauerte genau eine Woche und 47 Regenschauer, bis sich das Ergebnis von jetzt auf gleich recht deutlich zeigte. Ich entschuldige mich, dass ich davon keine Bilder habe, aber mir wäre wahrscheinlich vor lauter Lachen ohnehin die Kamera aus den Händen gefallen. Stellen Sie sich unseren Rasen einfach als übergroße, räudige, grüngrüne Tüpfelhyäne vor, deren Friseur gerade noch ein paar Fellstellen mit der Heckenschere gestutzt hat.

Wir kamen – ernsthaft – aus dem Lachen nicht mehr heraus: An den Stellen, die ordentlich Dünger abbekommen hatten, wuchs tiefgrünes sattes Gras, das sich unter dem prüfenden Barfuß fest und wunderbar griffig anfühlte. An den Stellen, die ungeplantermaßen leer ausgingen, zeigte sich eine blassgrüner, räudig-holziger Tritt.

Also fuhr diesmal der Mann in den Gartenmarkt, um nur eine halbe Stunde später mit zwei weiteren Säcken Dünger und ungebremster Euphorie zurückzukehren.

Diesmal sollten die hellgrünen Passagen sowie das komplett ungedüngte Stück Rasen am Vorgarten mit den nährenden Kügelchen beglückt werden. Gesagt – getan. Die Technik hingegen war diesmal systematischer und es wurde streng in Reihen gedüngt. So ein Düngewagen ist wirklich für Anfänger. Geht doch! Zwischendurch klingelt mal das Telefon und man kommt ein bisschen raus aus dem Flow, aber dennoch. Hey. Cool.

Eine Woche später hatte sich die Tüpfelhyäne aus dem hinteren Garten in eine glatthaarige, gleichmäßige Fläche verwandelt, der Vorgarten hingegen präsentierte sich als gleichmäßiges Zebra im schicken Streifenlook. Hellgrün, dunkelgrün, hübsch im Wechsel. Und der Dünger? Alle. Klar.

Wir verzichteten darauf, die restlichen Streifen noch mit dem Zeug zu bewerfen und widmeten uns in der Zwischenzeit den anderen botanischen Topics auf der Liste.

Der Rasen hingegen wuchs und wuchs. Und wuchs. Zeit, ihn zu mähen, hatte keiner von uns. Montag war er eigentlich schon am Limit. Aber nein. Es kam was dazwischen. Der Rasen wuchs weiter, es war Donnerstag und nach zwanzig Uhr, als wir erneut aktiv ans Mähen dachten. Zu spät. Freitag regnete es den ganzen Tag. Dann also Samstag.

Endlich war der Samstag gekommen und mit ihm eine akute, schwere Männergrippe beim Mähbeauftragten. Das Fieber und die Schwäche zwangen den Mann, umgehend das Bett aufzusuchen und mir alle zehn Minuten die stetig ansteigende Körpertemparatur per WhatsApp mitzuteilen. Zwischendurch wurde im Wechsel nach einer persönlichen Visite oder nach frischem Obst verlangt. Also was machen wir da? Selber mähen. Geht natürlich in den Suburbs erst ab 15:00 Uhr, wegen Mittach und so.

Das Regenradar hingegen meldete schwere Schauer ab etwa 15:15 Uhr. Ich begann also ab etwa 14:30 Uhr, mich mental schonmal einzustimmen und die niemals zuvor selbst genutzte Technik klarzumachen. Grassammelbox, Benzinhahn, Anlasser, Mähhöhe. Check.

Punkt 14:55 Uhr gings los. Ich fand, fünf Minuten vor der Zeit sei tolerabel. Ich schickte die Kinder in sichere Entfernung auf den Beobachtungsposten (Balkon, zur Sicherheit, man weiß nie) und zog an der Anlasserschnur. Nichts. Okay, nochmal. Nichts. Obwohl „EasyStart“ drauf steht, startete gar nichts easy. Nochmal. Dann gemerkt, dass der Hebel falsch steht. Auf Schildkröte. Gut, Nochmal. Und siehe da, es rappelt und knattert und die Möhre springt an. Yeah!

Man muss erwähnen, dass der Rasenmäher ein Weihnachtsgeschenk für uns Neugartenbesitzer war und ein echtes Hightechteil ist. Der fährt quasi selber. Vorbei also die Zeiten wie vor 25 Jahren, als man den schweren, antiken Briggs-and-Stratton-Mäher von Vati leise stöhnend vor sich her schob, das Bier von gestern noch in der Birne und die zwei Mark Belohnung eisern im Blick.

Ich zog also diesen Sicherheitshebel und gab vorsichtig Gas. Und hopp, war das Teil schon zwei Meter allein gefahren. Mit mir hintendran. Huiiiiii, eine feine Sache. Also auf ins Glück und in einem Affenzahn den ganzen Rasen gemäht. Keine Minute zu früh war ich fertig, als über mir alle Schleusen brachen und es just im Finish anfing zu gallern.

Ich war sehr stolz auf das Ergebnis. Nach abschließender Evaluation lässt sich allerdings anmerken, dass die Abstände von Reihe zu Reihe beim nächsten Mal etwa 20 cm geringer sein könnten, wenn man nicht kleine Kanten nach Art einer Zebratüpfelhyäne mit Rasierschwäche über die gesamte Fläche stehen lassen möchte.

 

Edit: Jetzt gibt es auch ein Bild. Bei näherer Betrachtung könnte es sich auch um eine Wassermelone handeln:

Gras_Duenger1_Unterholz

trenner_roteb