Lesen, lernen, inspiriert werden

Mein Name ist Pia und ich habe da ein kleines Suchtproblem: Gartenbücher. Ich kann selten daran vorbei gehen.

Dabei ist es ziemlich egal, ob es sich um Bestimmungsbücher, Einsteigerbücher, Gartengestaltungsratgeber, „Tierhaltung im Garten“-Bücher, „Garten für Faule“- oder „Garten für Ambitionierte“-Bücher, Pflanzempfehlungsbücher, Bücher über Stauden, Schattenpflanzen, Terrassengärten, biologisch-dynamische Gemüsegärten oder den perfekten Schnitt von Heckenfiguren handelt. Gartenbücher sind toll, ich verschlinge sie alle und will danach umgehend rausgehen und meinen Schattengarten in eine Heckentieranlage verwandeln, in der bunte Mangoldstauden neben dicken Kohlköpfen an futuristischen Rosenspalieren stehen.

Viele Jahre lang habe ich vergeblich versucht, meinen Garten nach irgendeinem dieser Bücher zu modellieren, letztlich kamen mir dabei aber immer diverse Kinder, zu wenig Zeit und Lust, das Wetter, unpassende Erde und jede erdenkliche Ausrede dazwischen. Ich habe das zwar mittlerweile erkannt, Gartenbücher sind aber weiterhin meine große Leidenschaft und es ist für mich ein echtes Fest, ein ganz neues Buch in Händen zu halten. Am Besten zum Ende des Gartenjahres, wenn die Gartenmüdigkeit einsetzt. Dann kann ein schönes Gartenbuch ein echter Starter sein, sei es, um künftige Beete noch vorzubereiten oder wenigstens zu planen und aufzuschreiben, was im nächsten Frühling passieren soll.

Ab und zu werde ich Ihnen eines dieser Gartenbücher vorstellen und schonungslos offen und völlig subjektiv berichten, ob und was es taugt.

Heute: „Ein Garten nach der Natur“ von Ursel Borstell und Bärbel Grothe

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Der Titel des Buches führte mich ein bißchen in die Irre. Ich dachte nämlich „oh prima! Da hat jemand ein Stück Natur (= in meiner Vorstellung ein verwilderter Garten) in einen wunderschönen Garten verwandelt. Also das, was ich schon ewig versuche. Es ist aber ganz anders!

Familie Altena hat den elterlichen Nebenerwerbshof samt seiner Weiden und dem Nutzgarten sozusagen zurück in einen Naturgarten verwandelt. 5000 Quadratmeter Naturgarten sogar, darin ein Teich, verwunschene, verwinkelte Pfade, lauschige Plätzchen und eine traumhafte Blütenpracht. Der Garten umfasst unterschiedliche „Themenräume“, für mich unglaublich beeindrucken und mit sofortigem „ach hätte ich das auch!“-Effekt: der Waldgarten!

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Mit Rücksicht auf Flora und Fauna finden sich sehr viele heimische Gehölze und Blühpflanzen im Garten, Totholz darf liegen bleiben und Brennnesseln sind in Randbereichen erlaubt. Wieviel Liebe in diesem Garten steckt, sieht selbst ein Gartenlaie beim Betrachten der Bilder, die Texte dazu bekräftigen das nur.

Hand in Hand mit der Natur zu wirken, war der Anstoß und bleibt der Ansporn der gartenschaffenden. Nie ging es darum, „nur Blumenbeete anzulegen“. „Darin fehlt das Herz“, ist Ingrid Altena überzeugt, „ich möchte Orte schaffen, die dem Standort und den Belangen der Tiere gerecht werden.“

„Ein Garten nach der Natur“ ist kein Lehrbuch. Dem Leser wird nicht erklärt, welche Pflanzen gerne nebeneinander wachsen oder wie sich ein harmonisches Blütenmeer gestalten lässt. Es ist ein Buch, das ganz herrlich zu einer Tasse Tee an einem stürmisch-grauen Herbsttag, an dem man auf gar keinen Fall in den eigenen Garten möchte, passt. Es lässt keinen Zweifel daran, wieviel Arbeit ein Garten dieses Ausmaßes mit sich bringt – und wieviel Glück.

Ich nehme es gerne zur Hand. Blättere darin, lege Merkzettel hinein (die Idee, die Obstbaumscheibe mit rot- und rosablühenden Erdbeeren zu unterpflanzen, übernehme ich sofort!) und stelle mir vor, wie aus der zugewucherten Ecke ganz hinten in meinem Garten vielleicht doch etwas ganz anderes werden kann.

 

Das Buch „Ein Garten nach der Natur“, ISBN 978-3-421-03934-7,  ist bei der DVA (Deutsche Verlags-Anstalt) erschienen.

Danke für dieses Rezensionsexemplar!

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Nachtrag! Diesen wunderschönen Naturgarten kann man auch via Internet besuchen: Naturgarten  Altena