hübsch, aber gemein

Auf meinem Kartoffeläckerchen wachsen drei verschiedene Sorten Kartoffeln: Blaue Schweden, British Queen und Golden Wonder. Ausgesucht habe ich sie, weil sie nicht nur weiß, sondern sogar zartlila blühen. Und weil mir die Beschreibung von Geschmack und Beschaffenheit der Kartoffeln so gut gefiel. (rund 100 verschiedene Sorten!)

Die Kartoffeln haben ganz wunderbar ausgetrieben, wurden bereits säuberlich angehäufelt und von diversen Wild/Un/Beikräutern befreit. Ein Kartoffeläckerchen wie aus dem Lehrbuch.

Unglücklicherweise haben nun die Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) diese gehätschelten Kartoffelpflanzen entdeckt.

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Kartoffelkäfer sind wirklich hübsch, es lohnt sich sehr, sie sich genauer anzusehen. Unglücklicherweise sind Kartoffelkäfer immer hungrig und treten gerne in Rudeln? Herden? Scharen? auf. Ziemlich schnell wird dann aus einer üppigen, saftigen Kartoffelpflanze ein trauriges, zerrupftes Pflänzchen, das ums Überleben kämpft und keine Kraft mehr hat, um viele, leckere Kartoffeln auszubilden. Das wäre schade.

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Seit einigen Tagen krieche ich jetzt auf Knien durch mein Kartoffeläckerchen und sammele Kartoffelkäfer ab. Das macht nicht richtig viel Spaß, manchmal ist es sogar ein bißchen eklig, denn die Käfer haben kleine Widerhaken an den Beinen, mit denen sie sich an der Haut festkrallen können. Oder sie hinterlassen merkwürde Tröpfchen in gelborange. Schlau sind sie obendrein, denn sowie die Kartoffelpflanze ein klitzekleines Bißchen erschüttert wird, lassen sich die Käfer zu Boden fallen. Dort sind sie perfekt getarnt. (und kichern wahrscheinlich sehr leise.)

Aber was tue ich mit den abgesammelten Kartoffelkäfern? Sie in den Nachbargarten zu werfen wäre nicht nur gemein, sondern auch umsonst, da dort a) keine Kartoffeln gepflanzt sind und b) die Käfer fliegen können und schneller wieder da sind, als ich „Kartoffelkäfer flieg!“ singen könnte. Letztes Jahr habe ich die Käfer in ein Blechkännchen gepackt, Wasser aufgefüllt und einen Deckel auf´s Kännchen gelegt. Nach drei Tagen habe ich die tote-Käfer-Brühe zurück an die Kartoffeln geschüttet. Das war grausam und eklig. Und roch wirklich schlimm.

Dieses Jahr knacke ich die Käfer zwischen zwei Steinen. Das ist grausam und eklig. Und jetzt liegen da in der einen Ecke lauter zerschmetterte Kartoffelkäfer.

Gift spritzen wäre nicht ganz so mittelbar, aber nicht minder grausam und dafür noch doppelt eklig, weil … naja. Gift. Ist das dann in den Kartoffeln, die ich essen will? Was ist mit anderen Insekten?

Es ist ein Dilemma, doch Gärtnern ist eben auch immer ein bißchen grausam.

Wenn man die Kartoffelkäfer ignoriert, haben die ein glückliches Leben.

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An den Blattunterseiten der Kartoffelpflanzen lassen sich bald leuchtend gelbe Eigelege-Klümpchen finden, aus denen kurze Zeit später kleine, dunkelrote Kartoffelkäferlarven schlüpfen. Die kleinen dunkelroten Larven werden zu großen, herrlich pinkfarbenen Larven, die dann ziemlich schnell wieder zu Kartoffelkäfern werden. Ein Kartoffelkäferweibchen legt bis zu 1200 Eier. Meine knapp sechzig Kartoffelpflanzen hätten keine Chance.

Gibt es nicht eine Pflanze, die ich den Kartoffelkäfern ersatzweise anbieten könnte?