Handwerker und Baumärkte

Pia alias Frau Mutti ist zu Hause gerade unabkömmlich: Sie kommandiert Handwerker herum. Gleichzeitig beklagt sie sich, dass die Handwerker sie oft nicht ernst nehmen:

„Ich könnte knallen vor Wut.

Seit wir in der Grünen Villa wohnen, haben wir schon mit sehr vielen Handwerkern zu tun gehabt. Von ‚ist ihr Mann da? Wann kommt er denn? Ich komme dann wieder!‘ bis ‚Ich weiß ja nicht, ob sie das verstehen!‘ über komplettes Ignorieren habe ich schon alles erlebt.“

Ich selbst habe im vergangenen Jahr viel renoviert – und hatte in diesem Zusammenhang auch mit Handwerkern zu tun: Fliesenleger, Parkettleger, Elektriker. Sowohl Fliesenleger als auch Parkettleger haben hervorragend gearbeitet und haben mich bei Entscheidungen selbstverständlich zu Rate gezogen.

Der Elektriker – und das ist eher ein generelles Problem mit Handwerkern – hat weder zugehört noch (wie sich am Ende herausstellte) einen sinnvollen Kostenvoranschlag abgegeben, hat nicht erbrachte Leistungen abgerechnet und auch sonst nicht durch Kompetenz und Zuverlässigkeit geglänzt. Das hatte allerdings nichts mit mir als weibliche Kundin zu tun, das schien mir eher eine grundsätzliche Taktik zu sein.

„Wütend bin ich nicht nur auf die Handwerker. eigentlich bin ich noch wütender auf die Frauen, die dieses Verhalten füttern. Die das hilflose Weibchen geben, das sich um Kleidung, Frisur und Fingernägel sorgt und den Mann vorschiebt, der in den meisten Fällen ja genauso wenig Ahnung hat.“

Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn man von Anfang an ganz selbstverständlich auftritt, wenn man sich kundig gemacht hat und schon bestimmte Fragen und Vorstellungen hat, wird man auch ernst genommen. Zugegeben, manchmal ernte ich leichtes Erstaunen, wenn die Handwerker merken, dass ich im Thema bin und weiß, was ich möchte. Aber nach ungefähr zehn Sekunden haben sie ihre Überraschung überwunden und es geht normal weiter. Wahrscheinlich reagieren sie bei informierten Männern, vor allem bei solchen, die ansonsten Schreibtischtäter sind, genauso. Möglicherweise ist der ziellose Kunde einfach eher die Regel als die Ausnahme.

Baumärkte sind übrigens besser als ihr Ruf: Immer, wenn ich einen Verkäufer gefunden hatte (okay, ich gebe zu: Das ist tatsächlich der Knackpunkt an der ganzen Geschichte), wurde ich stets gut und ernsthaft beraten. Vielleicht, weil ich immer maximal abgeranzt im Baumarkt auflaufe und aussehe, als hätte ich gerade schon fünf Stunden im Rohbau malocht. Wenn ich dann noch frage, ob sich vor der Arbeit mit Strukturputz zusätzlich zum Tiefgrund eine Haftgrundierung empfiehlt und welche Taktik für Rigips zu empfehlen ist, dann bin ich direkt drin, im Herzen des Baumarktverkäufers.

Ich ertappe mich allerdings dabei, dass ich Männer, die sich angesichts handwerklicher Herausforderungen hilflos geben, etwas befremdlich, um nicht zu sagen lächerlich finde. In diesem Fall bin ich leider Opfer von Rollenklischees. Oder meiner eigenen Tatkraft.

Übrigens ist es ein Märchen, dass Frauen sich nicht für Werkzeug interessieren. Es gibt beim Renovieren und im Garten nichts Tolleres als gutes, taugliches Werkzeug. Und eins ist mal klar: Für eine Bohrmaschine mit richtig Wumms lasse ich jede Bordüre links liegen.

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