Gescheitertes und Erfolge

Während andere Gärtner hier berechtigt mit ihren Saaterfolgen prahlen, kann ich nach wie vor nur kümmerliche Zweiblatt-Keimlinge vorzeigen. Mittlerweile habe ich die Hoffnung fast aufgegeben, dass sie noch wachsen wollen. Ich goss mit kaltem und lauwarmem Wasser, aus der Leitung und aus dem Regenfass. Ich wechselte mit gebührendem Abstand den Standort von eventuell zu sonnig zu hell ohne direkte Sonne bis „geh halt raus spielen“. Morgens begrüßte ich meine Keimlinge freundlich, abends verabschiedete ich sie, dazwischen feuerte ich sie liebevoll an. Mein Anzucht-Repertoire ist nun erschöpft, mir bleibt nur noch ignorieren oder anschreien.

Derzeit im „knapp über Keimblatt-Stadium“: zehn Tomaten, acht Paprika, zwei Auberginen, neun Eichblattsalate. Anfeuerungswünsche werden gerne genommen.

Im Beet klappt es mit das Säen übrigens noch schlechter. Von zwei Reihen Radieschen (absolut anfängertauglich weil die werden immer was, wird behauptet) sind bisher drei (!) Radieschen gekeimt. Ich säte vor drei Wochen. Und nein, das war nicht zu früh, seitdem gab es keinen Frost mehr. Zwei Reihen Karotten melden sich überhaupt nicht und die vielen Quadratmeter Sommerblumenmischung warten auch noch auf irgendetwas.

Hier liegen jetzt noch Salatsamen aus Portugal, die angeblich viel besser seien als die deutschen Salatsamen. Es bleibt spannend, ob sie viel besser nicht keimen werden, als die deutschen. Kürbis, Melone und Zucchini sollten dann demnächst gesät werden, doch ich bin ein bißchen pessimistisch. Ich bilde mir ein, dass zum Gelingen dieser Säerei solch ein Saat- und Anzuchttisch unverzichtbar ist. Vielleicht fürchten sich die zarten Keimlinge am Boden? Letztes Jahr fand ich beim Sperrmüll ein altes Schulpult. Dieses wird nun zum Anzuchttisch umgebaut.

Was ich aber wirklich gut kann: Kohlrabipflänzchen kaufen und diese einpflanzen. Alle 46 Kohlrabi wachsen und gedeihen und werden wahrscheinlich im Abstand von maximal drei Tagen reifen. Mal schauen, wann die Familie und Freunde keine Kohlrabis mehr wollen. 

Alle Steckzwiebeln sind angewachsen, die (vorgezogen gekauften) Salate werden dicker und bevor ich mich als absolute Saatniete verkaufe: 42 Bohnen und 40 Erbsen gedeihen ohne Ausfall, da muss ich sogar noch ausdünnen.

Aus den Gemüsebeeten jäte ich die Kartoffeln, die dort letztes Jahr vergessen wurden, dafür jubele ich über die ersten Kartoffelblättchen auf meinem kleinen Kartoffeläckerchen. Drei alte Sorten habe ich gesteckt,  derzeit in Führung: der blaue Schwede.

Bis auf die Misserfolge beim Säen läuft das alles sehr, sehr gut im Gemüsegarten, ich bin glücklich und stolz. Und sehr froh, dass es endlich regnet!