Gartenplaner

Seit einer Woche habe ich im Garten Unterstützung von einem jungen Nachwuchstalent. Mein Nachwuchsgärtner wird demnächst acht Jahre alt und mit der Energie und Motivation seines Alters hat er sich in das Abenteuer „Mein erstes, eigenes Beet“ gestürzt. Schon vor dem ersten Spatenstich hat er etwas getan, was mir bisher noch nie gelungen ist: er hat sich einen Plan gemacht.

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Das nötigt mir allerhöchsten Respekt ab, denn ich selbst bin in Gartenbelangen höchst unorganisiert. Ich habe zwar meistens eine recht genaue Vorstellung davon, was ich anpflanzen möchte, verschwende aber keinen Gedanken daran, ob Platz (und/oder Budget) ausreichen oder welche Mengen ich von was benötige. Meine Lieblingsgärtnerei freut sich natürlich darüber, denn planlose Einkäufer kaufen immer mehr als andere.

Mein Nachwuchsgärtner hat zwei Tage lang im Garten geschuftet. Hat umgegraben, gehackt, gejätet und endlich auch gepflanzt. Zu seinem großen Glück wurde mein Nachbargarten gerade komplett umstrukturiert und dafür ganz leergeräumt. Er durfte sich also nach Herzenslust an Blumen und Gemüse bedienen und diese in sein Beet pflanzen. So wurde das Beet recht schnell voll, es blieb nur noch wenig Platz für Radieschen- und Karottensamen.

Nach der schweren Arbeit im Beet hatte mein Nachwuchsgärtner trotzdem noch Kraft für dies:

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Und ja, auch hier hat er mir einiges voraus. Ich säe wirklich gerne und liebevoll, vergesse aber ziemlich schnell, was ich wo gerne und liebevoll gesät habe mit dem Ergebnis, dass ich ein paar Tage später gerne und liebevoll Gesätes jäte und mich dabei im besten Fall schnell wundere, warum die Spontanvegetation so gleichmäßig wächst. (Säen ist sowieso schwierig, weil es so lange dauert, bis etwas wächst und die Schnecken so schnell sind … aber dies ist eigentlich ein Thema für einen eigenen Artikel)

Offensichtlich bin ich nicht die Einzige, die sich mit Ordnung und Organisation im Garten schwertut, denn man kann sich zur Unterstützung ein Gartentagebuch zulegen. Rechts das Exemplar meines Nachwuchsgärtners, links ein professionelles Exemplar aus dem Familia Verlag.

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Mittlerweile gibt es ja Planer und Organisationshilfen für alle Lebensbereiche. Ob und wann ein Planer sinnvoll ist und wann man sich vielleicht einfach ein bißchen Spontaneität erlauben darf, darüber kann man streiten, ein Gartenplaner ist (für mich) sicher nicht die unnötigste Anschaffung.

Das Gartentagebuch ist ein Ringbuch. Ich mag Ringbücher, in denen kann man rasch hin- und herblättern.

Auf den ersten Seiten des Buches ist Platz für Notizen über den eigenen Garten. Größe, Bodenart und Lage können vermerkt, Vor- und Nachteile notiert werden. Danach gibt es Platz für Pläne und Vorhaben.

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Es folgen allgemeine Tipps zur Bodenvorbereitung für die Saat, Ableger, Teilungen und Absenker und danach Tabellen, in denen Name und Saat- und Pflanzdaten eingetragen werden können. Für unorganisierte Menschen wie mich wirklich gut. (fehlt nur noch der kleine Motivationsschubs, diese Tabellen auch wirklich zu pflegen)

Der Rest des Tagebuchs ist in Monate gegliedert, diese sind wiederum in Wochen aufgeteilt.

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Jeden Monat gibt es allgemeine Gartentipps, zusätzlich Vorschläge und Ideen, die im Garten umgesetzt werden können.

Für eigene Ideen und Projekte ist Platz, genauso wie für besondere Beobachtungen. Und für die Statistikfreunde unter uns gibt es wöchentlich eine Tabelle für Niederschlagsmenge, Wetter, Sonne und Mondphasen.

Am Ende des Tagebuchs bleibt Platz für eine Auswertung der Jahreszeiten und für Notizen. Außerdem liegt dem Tagebuch ein Päckchen mit Salatsamen bei. (die werde ich säen, sowie das zweite Hochbeet steht, das erste ist bereits voll)

Ich bin ein bißchen hin- und hergerissen. Einerseits gefällt mir die Idee sehr gut, planvoll zu arbeiten und ggfs nachlesen zu können, was ich wann ein Jahr vorher tat und ob sich das bewährt hat. Denn man kann sich einfach nicht alles merken. Andererseits tobt mein innerer Revoluzzer, der sich nicht gerne einengen lässt und bei vorgedruckten Tagebüchern umgehend an „Freundebücher“ samt Fragen wie „Was ist dein Lieblingsgemüse“ denken muss. Es gab sehr viele Freundebücher in unserem Leben. Zu viele. Insofern bin ich da wirklich voreingenommen, das streite ich nicht ab.

Das Tagebuch bekommt auf jeden Fall eine Chance bei mir, aber ich werde damit bis Januar warten. So groß ist mein innerer Revoluzzer dann doch nicht, dass er mich ein vorgedrucktes Tagebuch erst im April beginnen lassen würde. Mir gefällt am meisten die Idee, ein paar Jahre später von Erfolg und Scheitern nachlesen zu können. Und vielleicht kann ich mit Hilfe des Saatplans tatsächlich Gesätes ernten, statt es vorher zu jäten. Das wäre eine feine Sache.

 

Herzlichen Dank an den familia Verlag für das Bereitstellen dieses Rezensionsexemplars!