Gartenhund? Hundegarten!

Vor einigen Jahren schrieb ich an anderer Stelle davon, wie ich mir ein Leben mit Kindern vorgestellt hatte, welche Pläne und Wünsche ich hatte, was ich dann tatsächlich erlebte und wie ich meine Vorstellungen zurechtrücken musste. Hätte ich mich nur daran erinnert, als mir ein Hochglanzzeitschriftenbild vor Augen stand, in dem ein glücklicher Hund malerisch unter einem knorrigen Obstbaum liegt, direkt neben bunt blühenden Sommerstauden, mit der Nase an einem Korb voll saftiger, roter Erdbeeren. Das einzige Realistische in diesem Bild sind der knorrige Obstbaum (Birne) und der gerade noch glückliche Hund (Lola, fast fünf Monate jung.).

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Während die ganze Familie fleißig vor sich hinwurschtelt, wird der glückliche Hund immer unglücklicher, denn leider mag er nicht malerisch unter dem Birnbaum liegen, sondern stattdessen alles, was zart grünt und sprießt aus der Erde rupfen, will tiefe Löcher in die wunderbar gelockerte Erde buddeln und sich hingebungsvoll in frisch gegossenen Erbsen wälzen. Das darf Lola natürlich nicht, weswegen sie angebunden wird. Da die Leine aber ziemlich lang gelassen wird (der arme, kleine Hund soll ja nicht gefesselt werden), sind vier Erdbeerpflanzen, die sie gerade noch erreichen kann, völlig kahlgefressen. Und es ist Lola völlig egal, ob sie rote oder grüne Erdbeeren oder gar Erdbeerblätter frisst, sie zerkaut einfach alles, spuckt es dann notfalls wieder aus. Das Hochglanzzeitschriftenbild von glücklichem Hund in üppigem Gemüsegarten muss offensichtlich noch ein bißchen warten, aber wenn es mal so weit ist, werde ich es knippsen und niemandem verraten, wie lange ich darauf warten musste. (oder womit ich den Hund dafür betäubt oder bestochen habe)

Um Lola nicht alles verbieten zu müssen, haben wir einen Teil der Ländereien der Grünen Villa abgesperrt. Dort darf sie frei herumflitzen, sehr tiefe Löcher buddeln und alle Äste, Zweige, Stöcke und Knorzen zerschreddern, die sie finden kann oder wir ihr in der vergeblichen Hoffnung, sie würde sie apportieren, in die Ecken schmeißen. Im Notfall darf sie dort auch pinkeln und kacken, immerhin ist sie fast noch ein Baby und ich bin da nachsichtig. Leider stehen in diesem Gartenstück noch etliche große Töpfe mit Funkien, die in naher Zukunft an den Gartentümpel ziehen sollen. Falls Lola sie nicht vorher völlig zerrupft hat. Das tut sie nämlich dann, wenn sie glaubt, dass sich niemand um sie kümmert, weil dann hat sie sofort meine volle Aufmerksamkeit. Genauso, wenn sie die Bergenien frisst, am Efeu kaut, die Kermesbeere ausgräbt oder Dutzende von grünen, runtergewehten Kirschen verschlingt.

Neulich half sie mir bei der Gartenarbeit, denn ich erlaubte ihr, so viel Giersch wie sie will auszureissen und wegzuscharren. Leider räumte sie regelmäßig meinen Grünschnitteimer wieder aus, in den ich den herausgerupften Giersch stopfte und als der Eimer dann auch noch kippte und mit viel Getöse auf ihrem Kopf landete, war es mit der Hilfe vorbei und sie suchte Schutz hinter den Funkien. (und begann augenblicklich, diese anzukauen.)

Meine Zeit im Garten beschränkt sich derzeit auf knapp anderthalb Stunden, von halb acht bis neun Uhr abends, wenn Kinder und Gatte die Hunderunde übernehmen. Dann hacke ich sehr hektische die Gemüsebeete, zupfe die unangenehmsten WildUnBeikräuter weg und werfe literweise Wasser in den Garten. Währendessen erschlage ich Millionen von Stechmücken, denn dank des Rheinhochwassers im Mai sind die eine echte Plage.

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Gießkannen findet Lola übrigens Klasse, nie schmeckt das Wasser besser, als wenn es über Nacht in der Gießkannen dekantiert wurde.

Trotz der kleineren und größeren Hundeablenkungen hat auch hier die Ernte begonnen. Lola frisst nicht alle Erdbeeren, für uns bleiben auch noch welche. Außerdem gibt es Erbsen, Kohlrabi und Salat. Die Paprikapflanzen blühen wie verrückt, die Bohnen klettern und sogar die Tomaten kommen aus dem Quark. Heute abend ernte ich die ersten Johannisbeeren und vielleicht können wir dem Rharbarber noch zwei, drei Stangen entreissen, um Rharbarberkuchen backen zu können. Ab dem 24. Juni (Johannistag) darf er ja nicht mehr geerntet werden.

Ich beende das Schwätzchen an dieser Stelle, denn soeben flitzte ein vorwitziger Welpe mit einem Gartenclog im Maul an mir vorbei und ich bin mir sehr sicher, dass sie diesen nicht als Schutz für zarte Pfoten braucht.