Exotisches!

Vor zwei Jahren las ich irgendwo, dass Physalis (Kapstachelbeeren) auch in unserem Klima wachsen und sogar Früchte tragen. Natürlich hatte ich vergessen, woher ich diese Information hatte und um genauer zu recherchieren, wie ich Pflanzen züchten kann, hatte ich keine Lust. Dafür hatte ich aber eine sehr schrumpelige Physalis in der Obstschale liegen. Ich stopfte sie in einen Topf mit Erde und vergaß sie umgehend. Zwei Wochen später schüttete ich ein bißchen Wasser auf die staubtrockene Erde. Wiederum zwei Wochen später schaute ein Büschel Keimblätter über den Topfrand, ich rupfte beherzt über die Hälfte davon aus. Und goss etwas regelmäßiger.

Das meiner Meinung nach kräftigste Pflänzchen wurde in einen großen Topf gepflanzt, die restlichen Pflanzen pflanzte ich in den Garten, wo sie über Nacht umgehend von Schnecken gefressen wurden. Scheinbar mögen auch Schnecken ein bißchen Exotik, nicht immer nur langweiligen, heimischen Salat.

Das Pflänzchen im Topf wuchs und entwickelte große, gezackte, ganz samtige Blätter. Spät im September kamen die ersten Blüten. Ich entdeckte sie eher durch Zufall, denn sie „hängen“ nach unten und sind so eher unscheinbar.

 

Physalisblüte

Erste Fruchtstände entwickelten sich, die bekannten „Hüllen“, in saftigem Grün mit einer Zeichnung in violett.

 

Physalis, unreif

Mittlerweile war es schon Oktober und ich ahnte, dass diese Pflanze Frost nicht überstehen würde. Mitte November schuf ich ihr Platz im Wintergärtchen – und vergaß sie erneut. Als sie mir wieder ins Auge fiel, hingen ihre Blätter schlapp herab und ich war davon überzeugt, dass ich sie zu Tode gepflegt hatte. Ein halber Liter Wasser wirkte allerdings Wunder.
Im Dezember begann die Ernte!

physalis3

Es schimmerte orange durch die „Hülle“ und diese fühlte sich an wie Papier, so wie ich es von den gekauften Beeren kannte. (außerdem löste sich der Stiel von der Pflanze, als ich an die Frucht tippte) Die Geschmacksprobe ergab: Physalis, eindeutig. Aber sehr, sehr sauer.
Ich ließ die restlichen Physalis etwas länger an der Pflanze, aber wahrscheinlich fehlte da einfach die Sonne. Sehr viel süßer wurden sie nicht. Geerntet habe ich zwei Hände voll, satt wurde also niemand. Es ist aber schön, auch im Winter etwas ernten zu können!
Nach der Ernte verlor die Pflanze etliche Blätter und stand letztlich sehr wackelig im Topf herum. Ich schnitt sie eine gute handbreit über der Erde ab und stellte sie im April an einen geschützten Platz auf der Terrasse. Sie trieb umgehend und sehr kräftig wieder aus.
Die Bilder von der Blüte und den grünen Früchten sind von heute, ich werde also auch in diesem Winter wieder eigene Physalis ernten können. Und ich freue mich darauf!