Einmal Luft geholt und schon ist Herbst

Entschuldigt. Echt und aus vollem Herzen. Ich weiß nicht, was in diesem Sommer los war. Als hätte ich im Mai einmal tief Luft geholt und wäre dann von der grundstückseigenen Zeitmaschine direkt in den Herbst geschleudert worden. Volle Kanne offline.

Jedenfalls ist hier alles bestens. Wir Gartenneulinge haben den echten, ersten Sommer mit fertigem Garten sehr gut überstanden. Die Pflanzen waren freundlich zu uns, haben zeitgerecht und wunderbar geblüht und uns sogar die ersten, vorsichtigen Schnittversuche verziehen.

Der Rasen hat während der Sommermonate zweimal eine wohlriechende Kraftdüngung erhalten und tolerierte somit Gäste, Gastkinder, eigene Kinder, Fußballtore, Gartenschlauchexzesse, Stollenschuhe und Grillpartys. Kürzlich wurde er das letzte Mal gemäht und mit Herbstdünger bestreut. Um die hässliche Wassermelonenoptik zu vermeiden, kam hierfür sogar extra ein Düngewagen zum Einsatz. Man lernt nicht aus.
Die Gräser gehen so langsam in die Knie, die lassen wir aber noch ein bisschen vor sich hinentspannnen, bevor sie gekürzt werden.

Auch die Tiere hatten es gut. Auf der Terrasse richteten wir in der Holztruhe beispielsweise versehentlich eine hübsche kleine Mäuseherberge her. Die Truhe ist eigentlich dazu da, die Stuhlkissen zu verwahren. Als wir dahinterkamen, waren die aber schon zerknabbert, weil irgendwann die ebenfalls dort gelagerten Sonnenblumenkerne aus der letzten Vogelhaussaison zur Neige gingen und dann dental schön weitergearbeitet wurde.

Auch Bienen kamen. Da es im Gartenmarkt im Frühjahr eine extra Pflanzenedition gab, die das Prädikat „Bienenfreund“ trug, und wir vor der Buchenhecke noch etwas Platz hatten, wurde hierbei bewusst ganz besonders herzhaft zugeschlagen. Man kann aber auch einfach Lavendel nehmen. Der blüht sogar noch im November.

Für die Vögel wurde jetzt die im Sommer ziemlich vernachlässigte Fressbude hervorgeholt, gesäubert und mit diversen Spezialitäten bestückt. Als erstes quetschte sich dann nur wenige Minuten später ein kräftiger Eichelhäher in das Schwedenkiosk und inhalierte in wenigen Sekunden sämtliche Erdnüsse. Hoffentlich bleibt für die Meisen noch was übrig.

Die restlichen Pflanzen lichten sich, werden gelb, braun, rot und selbst das ist eigentlich ziemlich wunderbar anzuschauen. Längst verloren geglaubtes Spielzeug leuchtet bunt durch den in die Knie gehenden Bambus hindurch und man freut sich natürlich gebührend über jeden Plastikball, der platt und devot auf dem feuchten Laub liegt.

Und jetzt ist endlich mal wieder Zeit zum Durchatmen, draußen den Regen anschauen, hoffentlich auch den Schnee und einen bisweilen mal einen verschmitzten Blick auf die verlauste Zimmerpflanze zu werfen, die jetzt leider draußen ihr Dasein fristen muss.


Ich hoffe, dass die nächste Saison nicht so rasant an uns vorbeizieht und uns etwas mehr  Zeit zum Luftholen oder Genießen lässt.