Schwätzchen

Winterschlaf

Es zeichnet sich ab, der Winterschlaf wird bald vorüber sein. Die Schwiegermutter hat angerufen, wir müssten dann mal….. Das heißt übersetzt, dass es beim nächsten halbwegs schönen Wetter losgehen kann.

Sie hat keinen Führerschein, also fahre ich Sie zu Preisvergleichen in diverse Gartenmärkte. Mir persönlich würde ja einer ausreichen, aber die Schwiegermutter ist sehr preisbewusst. Viele günstige Preise hat Sie aber auch auf ihrem Radar, so die Anzuchterde vom Discounter, jedes Jahr um die gleiche Zeit. Nur diese darf es dann auch sein.

Also sind wir losgezogen und haben vornehmlich Tomatensamen erstanden, ein bisschen Aubergine noch. Dazu besagte Anzuchterde und jetzt hat sie erst mal Beschäftigung sämtliche Fensterbänke in ihrer Wohnung mit vorgezogenen Pflanzen belegen. Von dort wandern sie dann zu gegebener Zeit ins Gewächshaus. Da ist es gut, dass ich einen Kompaktvan fahre. Als Single hätte ich eigentlich lieber gern ein flotteres Auto, aber dann könnte ich keine Schwiegermutter, Bio-Abfall nicht-kompostierbar, besagte Pflanzenumsiedlungen, 50L Säcke Mulch und ähnliches transportieren.

Während sie die Tomatentütchen begutachtet hat, bin ich zum Mulch rüber. Mulch ist mein Metier, gehört ja zur Kategorie Dreckvermeidung. Auch das eine Neuerung meinerseits, sie ist ja immerhin 50 Jahre ohne ausgekommen. Der technische Wart schlepp ganz emanzipiert die 50L Säcke nicht, der Dreck gehört ja nicht zu seiner Job Description. An der Kasse hat sie dann kurz gezuckt, weil ich uns zum normalen, ordinären Mulch auch einen Sack Kiefern- und Lärchenmulch gegönnt habe, für den wunderbaren Geruch, den ich so liebe. Für die preisbewusste Schwiegermutter läuft das unter Luxus, und „wehe man riecht da nichts“.

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Hallo, darf ich vorstellen……

Mein Name ist Nathalie, bin vor kurzem 50 geworden (hat gar nicht wehgetan) und ich bepflanze, ernte, jäte, gieße und kümmere mich um 2 Gärten. Als Ausgleich für meinen stressigen Vertriebsjob ist das super für den Kopf, weniger supi für den Rücken. Für den wiederum zum Ausgleich gibt’s dann Yoga in den Variationen Power, Yin und Hot.

Der eine Garten ist mehr ein „Gärtchen“ und ich teile mir ein Beet mit der Oma. Die Oma ist 88, meine Vermieterin, wohnt unten im Haus und ist resistent gegenüber jeglicher Veränderung, auch den Garten betreffend.

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Sie lässt gerne das Unkraut wachsen, „es blüht so schön“, was bei einem geteilten Beet durchaus Konfliktpotential birgt. Ich reiße gerne mal was raus, wenn sie nicht so genau hinschaut. Nebenher arbeite ich weiter an meinem Change Management bei der Oma, aber das geht noch langsamer als Pole Pole, wie der Kenianer sagt wenn er langsam meint. Was die Oma auf ihrer Seite pflanzt wird auch nicht geerntet. Entweder wächst nichts (der Tomatenstock im Vollschatten), oder sie lässt es blühen und gedeihen bis es umgeht.

Der andere Garten „der Gadde“ wie der Hesse sagt, ist in einer kleinen, wilden Kleingartenkolonie ohne Vorschriften, mit einem Lineal zu säen oder was sonst noch so in Gartenvereinen üblicherweise vorgegeben wird.

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Die handelnden Gärtner sind Ich, der Ex und meine Ex-Schwiegermutter. Sie ist zwar Ex, wird aber immer meine liebe Schwiegermutter bleiben. Das hindert sie aber nicht daran, gerne mal freundlich aber seeeehr bestimmt, anfallende Arbeiten zu verteilen.

Der Ex ist unser Technischer Wart und für alles grobe zuständig wie Rasenmähen, Beete umgraben, Reparaturen ausführen, Bäume fallen.

Die Schwiegermutter ist IMMER im Garten, und abwechselnd dann entweder der Ex oder ich, je nachdem was anfällt oder wer Zeit hat. Dann kommt man sich nicht unnötig in die Quere, schließlich ist man ja auseinander. Sie ist die Pächterin, hat den Überblick, sagt wo´s langgeht, welche Farben die Blumen dieses Jahr haben sollen, so halt. Wenigstens ist sie nicht Resistent gegenüber Wünschen und Veränderungen (sie gärtnert dort immerhin seit ca. 50 Jahren) und ich kann Erste Bio-Erfolge vermelden. Und das auch noch nachhaltig „Ach, Bio ist gar nicht sooo schlecht“.

Ich darf dann zuarbeiten, betreibe mein Hildegard-von-Bingen-Möchtegern-Kräuterbeet (Don`t touch it) und bin die Fachfrau für bodennahe spontane Begleitvegetation, vulgo Unkraut, im alpenländischen auch gerne Dreck genannt.

Der Gadde ist auch Ersatzmuckibude, denn zum gießen müssen wir das Wasser pumpen. Das gab letztes Jahr bei der anhaltenden Trockenheit 1A definierte Oberarme.

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Wo ist denn die andere Gärtnerin?

Hier ist sie! (Stellen Sie sich bitte vor, wie ich wild Arme schwenkend im zugewucherten Garten auf und ab springe)

Ich muss gestehen, die Sache mit dem Gärtnern (und dem darüber Bloggen) ist sehr vernachlässigt worden. Alles begann damit, dass dieser verrückte, mittlerweile gar nicht mehr so kleine Hund bei uns einzog, der mir die kostbare Gartenzeit stahl oder sich, wenn ich ihn im Garten frei laufen ließ, sehr kreativ buddelnd einbrachte. Und dann kam dieser unglaublich heiße, trockene Sommer, der die sehr lehmhaltige Erde in meinem Garten zu einer festen Platte zusammenbuk, durchzogen von tiefen Trockenheitsrissen. Das Grundwasser versiegte und ich hatte keine Möglichkeit mehr zu gießen. Mein Gartenspaß verdörrte wie die vielen Salatpflänzchen, die immerhin auch nicht von Schnecken gefressen wurden, denn denen war es auch zu trocken. Es folgte eine kurze, eher hektische Ernteperiode. Meine Paprikapflanzen mochten die Hitze sehr, sie trugen reichlich. Es wurde kühl und begann zu regnen, die Tomaten faulten an den Stöcken bevor sie auch nur annähernd reif waren, genauso war es mit den Zucchini. (was die Kindelein nicht allzu traurig machte)

Meine Zeit für den Garten wurde immer knapper, weil der nun recht große Hund zwei ausgedehnte Spaziergänge am Tag super fand (und findet), wir Geburtstage und sonstige Feste feierten und ich ein bißchen krank wurde.

Der Winter kam und brachte weder Frost noch gnädig verhüllenden Schnee mit. Und so laufe ich täglich bei der Hunderunde an meinem verwilderten Garten vorbei, werfe einen wehmütigen Blick hinein und schaue schnell wieder weg. Wieder daheim warten nämlich die ehrenamtlichen Aufgaben, die sich in den letzten Wochen und Monaten anhäuften. Ich habe keine Ahnung, wie das mit dem Garten (mit den Gärten, ich habe ja zwei) weitergehen wird. Vermutlich werden mich die ersten wärmeren Sonnenstrahlen sehr eindringlich in den Garten rufen und ja, ich vermisse es schon sehr, bis zu den Ellenbogen in der Erde zu stecken. Meine Pläne sind jedenfalls sehr zurückhaltend für dieses Jahr und so wird sicher auch die Bloggerei hier etwas spärlich ausfallen.

Ein Grund, dieser Gärtnerei unbedingt noch Platz einzuräumen ist ja, dass ich noch immer ernten kann:

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Rotkohl, Weißkohl, Spitzkohl und sogar ein paar kümmerliche Rosenköhlchen verstecken sich unter der Spontanvegetation und bereichern unseren Speiseplan. Ich finde ja, dass Rotkraut zu den allerschönsten (und -leckersten) Gemüsen gehört!

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Außerdem sind sämtliche Kohlsorten ausgesprochen anspruchslos und schon deshalb muss ich den Garten wieder freischaufeln, um ihnen Platz zu geben. Und dann natürlich hier darüber berichten.

Der Garten im Juni

Schnell, schnell, der Juni ist fast vorbei! (bin ich die Einzige, der das Jahr in den Händen zu verrinnen scheint?)

Der Juni begann hier mit großer Hitze und Trockenheit. Jeden Abend schüttete ich unzählige Gießkannen an mein Gemüse, doch der Boden war so ausgetrocknet, dass das Wasser in Pfützen darauf stehen blieb, statt an die durstigen Wurzeln zu sickern. Das Gemüse kümmerte vor sich hin, die Stauden hingen schlapp in der Gegend herum, die Erdbeeren blieben winzig (aber sehr, sehr süß!). Obendrein gab es hier am Rhein eine regelrechte Mückenplage, um eine halbe Stunde weitestgehend ungestochen gießen zu können, musste man entweder in langen Klamotten schwitzen oder sich sehr sorgfältig mit Mückenschutzmitteln einreiben. Das Rheinhochwasser im Mai hatte die vermehrte Mückenbrut begünstigt, die vielen Stürme hatten verhindert, dass die Stechmückenbekämpfung per Hubschrauber stattfinden konnte. Es war unerträglich und ich arbeitete nur das Nötigste im Garten.

Als die Mücken weniger wurden, sank die Temperatur und der langersehnte Regen fiel. Beinahe eine Woche lang regnete, regnete, regnete es. Ringsherum jammerten die Menschen über das Wetter, ich grinste jedesmal, wenn ich bei der Hunderunde an meinem Garten vorbei lief. Von Tag zu Tag wurde das Grün satter und die Kohlrabi dicker.

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Zum Regen kam die Schafskälte, doch im Garten wächst und gedeiht es!

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Die Paprikas wachsen, blühen und tragen reichlich Früchte, die Zwiebeln dahinter werden immer kräftiger. Und sogar die mickrigen Rosenkohlpflänzchen, die ich schon aufgegeben hatte, treiben neu und kräftig aus. Sowie der Boden ein bißchen angetrocknet ist, muss er dringend gehackt werden und die Un/Wild/Beikräuter, die am meisten stören, ausgezupft werden.

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Auch die Tomaten kommen nun endlich in Fahrt. Nachdem die erste Saat kaum über das Keimblattstadium kam, holt die zweite Saat jetzt kräftig auf. Das muss ich mir dringend für das nächste Jahr merken: ich muss im März keine Panik bekommen, weil ich noch keine Tomaten gesät habe. Auch im Mai gesäte Tomaten werden groß und versprechen gut zu tragen.

An einem der kommenden Wochenenden bekommen die vorderen Tomaten ebenfalls Dächer, bisher war dafür keine Zeit.

Sie können auf diesem Bild übrigens sehr gut sehen, dass ich es mit dem Jäten nicht ganz so genau nehme, bzw. nur dort jäte, wo ich Platz brauche. Die weißblühenden Feinstrahlastern hier im Bild säen sich überall im Garten aus, doch ich mag ihre Blüten sehr und obendrein bieten sie den Tomaten guten Windschutz, deshalb dürfen sie bleiben.

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Der Blick zur anderen Gartenseite ist eher langweilig. Die vielen Stauden sind bereits verblüht, die Blumen, die ich gesät habe, hatten während der Trockenheit keine Chance zu keimen. Viel Erde mit ein bißchen Grün dazwischen … ich hoffe, dass das im Laufe des Sommer noch bunter wird. Nächstes Jahr wird das Staudenbeet sicherlich üppiger blühen, ich muss mich eben in Geduld üben. Und falls das alles nicht so wird, wie ic mir das vorstelle, gibt es eben noch mehr Gemüse, Gemüse kann ich.

Heute ist es hier bereits wieder warm, die Sonne scheint: allerbestes Pflanzenwachswetter. Und allerbestes Schädlingswetter, denn wenn es feucht und warm ist, kommen sie:

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Und sie bringen ihre Freunde mit. Viele Freunde! Weinbergschnecken, Schnirkelschecken, klitzekleine Turmschnecken, weiße Nacktschnecken, schwarze Nacktschnecken, rote Nacktschnecken und Tigerschnegel, die einzigen Schnecken, die ich wirklich mag. Am Wochenende gehe ich auf die Jagd, mit Schaufel und Eimer. Wünschen Sie mir Jagdglück.

Gartenhund? Hundegarten!

Vor einigen Jahren schrieb ich an anderer Stelle davon, wie ich mir ein Leben mit Kindern vorgestellt hatte, welche Pläne und Wünsche ich hatte, was ich dann tatsächlich erlebte und wie ich meine Vorstellungen zurechtrücken musste. Hätte ich mich nur daran erinnert, als mir ein Hochglanzzeitschriftenbild vor Augen stand, in dem ein glücklicher Hund malerisch unter einem knorrigen Obstbaum liegt, direkt neben bunt blühenden Sommerstauden, mit der Nase an einem Korb voll saftiger, roter Erdbeeren. Das einzige Realistische in diesem Bild sind der knorrige Obstbaum (Birne) und der gerade noch glückliche Hund (Lola, fast fünf Monate jung.).

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Während die ganze Familie fleißig vor sich hinwurschtelt, wird der glückliche Hund immer unglücklicher, denn leider mag er nicht malerisch unter dem Birnbaum liegen, sondern stattdessen alles, was zart grünt und sprießt aus der Erde rupfen, will tiefe Löcher in die wunderbar gelockerte Erde buddeln und sich hingebungsvoll in frisch gegossenen Erbsen wälzen. Das darf Lola natürlich nicht, weswegen sie angebunden wird. Da die Leine aber ziemlich lang gelassen wird (der arme, kleine Hund soll ja nicht gefesselt werden), sind vier Erdbeerpflanzen, die sie gerade noch erreichen kann, völlig kahlgefressen. Und es ist Lola völlig egal, ob sie rote oder grüne Erdbeeren oder gar Erdbeerblätter frisst, sie zerkaut einfach alles, spuckt es dann notfalls wieder aus. Das Hochglanzzeitschriftenbild von glücklichem Hund in üppigem Gemüsegarten muss offensichtlich noch ein bißchen warten, aber wenn es mal so weit ist, werde ich es knippsen und niemandem verraten, wie lange ich darauf warten musste. (oder womit ich den Hund dafür betäubt oder bestochen habe)

Um Lola nicht alles verbieten zu müssen, haben wir einen Teil der Ländereien der Grünen Villa abgesperrt. Dort darf sie frei herumflitzen, sehr tiefe Löcher buddeln und alle Äste, Zweige, Stöcke und Knorzen zerschreddern, die sie finden kann oder wir ihr in der vergeblichen Hoffnung, sie würde sie apportieren, in die Ecken schmeißen. Im Notfall darf sie dort auch pinkeln und kacken, immerhin ist sie fast noch ein Baby und ich bin da nachsichtig. Leider stehen in diesem Gartenstück noch etliche große Töpfe mit Funkien, die in naher Zukunft an den Gartentümpel ziehen sollen. Falls Lola sie nicht vorher völlig zerrupft hat. Das tut sie nämlich dann, wenn sie glaubt, dass sich niemand um sie kümmert, weil dann hat sie sofort meine volle Aufmerksamkeit. Genauso, wenn sie die Bergenien frisst, am Efeu kaut, die Kermesbeere ausgräbt oder Dutzende von grünen, runtergewehten Kirschen verschlingt.

Neulich half sie mir bei der Gartenarbeit, denn ich erlaubte ihr, so viel Giersch wie sie will auszureissen und wegzuscharren. Leider räumte sie regelmäßig meinen Grünschnitteimer wieder aus, in den ich den herausgerupften Giersch stopfte und als der Eimer dann auch noch kippte und mit viel Getöse auf ihrem Kopf landete, war es mit der Hilfe vorbei und sie suchte Schutz hinter den Funkien. (und begann augenblicklich, diese anzukauen.)

Meine Zeit im Garten beschränkt sich derzeit auf knapp anderthalb Stunden, von halb acht bis neun Uhr abends, wenn Kinder und Gatte die Hunderunde übernehmen. Dann hacke ich sehr hektische die Gemüsebeete, zupfe die unangenehmsten WildUnBeikräuter weg und werfe literweise Wasser in den Garten. Währendessen erschlage ich Millionen von Stechmücken, denn dank des Rheinhochwassers im Mai sind die eine echte Plage.

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Gießkannen findet Lola übrigens Klasse, nie schmeckt das Wasser besser, als wenn es über Nacht in der Gießkannen dekantiert wurde.

Trotz der kleineren und größeren Hundeablenkungen hat auch hier die Ernte begonnen. Lola frisst nicht alle Erdbeeren, für uns bleiben auch noch welche. Außerdem gibt es Erbsen, Kohlrabi und Salat. Die Paprikapflanzen blühen wie verrückt, die Bohnen klettern und sogar die Tomaten kommen aus dem Quark. Heute abend ernte ich die ersten Johannisbeeren und vielleicht können wir dem Rharbarber noch zwei, drei Stangen entreissen, um Rharbarberkuchen backen zu können. Ab dem 24. Juni (Johannistag) darf er ja nicht mehr geerntet werden.

Ich beende das Schwätzchen an dieser Stelle, denn soeben flitzte ein vorwitziger Welpe mit einem Gartenclog im Maul an mir vorbei und ich bin mir sehr sicher, dass sie diesen nicht als Schutz für zarte Pfoten braucht.

Gartenhilfe. Oder halt doch nicht.

Es ist ja nicht so, dass es im Garten keine Arbeit mehr gäbe. Ganz im Gegenteil! Gemüsebeete wollen gehackt werden, UnBeiWildkraut entfernt und die ersten verblühten Gewächse sollten zurückgeschnitten werden. Da der Regen bis heute (endlich!) fünf Wochen lang nicht kommen wollte, goss ich jeden Abend eine Stunde lang Gepflanztes in zwei Gärten und pumpte danach die Gießwasserfässer wieder voll. Tolles Krafttraining und Gartenarbeit ist ja auch mächtig entspannend, aber hey! Regen! Mehr davon bitte.
Scheinbar genug zu tun, aber irgendwie zog dann trotzdem plötzlich ein Hundebaby bei uns ein. Ein äußerst gartenbegeistertes Hundebaby, das mit allerniedlichsten Pfoten:

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jede Menge Scheißelkram im Garten anstellt. Zum Glück ist unser Rasen sehr weit von dem entfernt, was man einen gepflegten, englischen Rasen nennt, denn derzeit wird er als Notfalltoilette, Buddelplatz und Nahrungsergänzung (Gänseblümchen, Klee und manch Schnirkelschnecke) genutzt. Erreichbare Kräuter werden mit großer Wonne abgekaut und ich erkenne den Feinschmeckerhund sofort: macht nicht Halt vor Rosmarin, Pimpinelle und Currykraut.
Nach einem ausgedehnten Spaziergang hielt ich das Hundebaby für erschöpft genug, dass es angebunden im Gemüsegarten dösen möge, bis ich mit dem Gießen fertig bin. Dem war leider nicht so. Während ich knapp ein Dutzend Kohlrabi goss, fraß das Hundebaby zwei Erdbeerpflanzen mit Stumpf und Stiel und buddelte den Rharbarber halb aus.
Offensichtlich haben wir nicht den richtigen Zeitpunkt für einen Familienzuwachs gewählt (Winter wäre super, da ist ja fast nix zu tun), aber das ist nun halt so. Und wer könnte Lola schon böse sein?

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Wenn ich mal nicht gerade mit diesem Hundezeug wie Gassi gehen, „Sitz!“ beibringen und Hundebaby von Tisch, Bank und Bett klauben beschäftigt bin, zeige ich den Junigarten. Der ist nämlich – trotz Hundeschäden – ziemlich hübsch.

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Stöckchen? Stöckchen!

Machen wir doch so ein hübsches, altmodisches Bloggerding und schnitzen ein Stöckchen! Vanessa hat begonnen und von den „10 Dingen, die mich das Gärtnern gelehrt hat“ erzählt.

Hier sind meine 10 Dinge:

1. Egal wie sicher ich mir bin, dass ich mir merken kann, was ich wo gepflanzt habe: ich werde es vergessen. Ich muss mir dringend angewöhnen, Schildchen in die Erde zu stecken oder mir einen Plan zeichnen, in den ich eintragen kann, was wo wachsen wird/soll/könnte.

2. Die Babypflanzen von Romanesco, Blumenkohl, Rosenkohl, weißer Kohlrabi und Weißkraut sehen sich so ähnlich, dass es sein kann, dass ich zwanzig Rosenkohlpflanzen gesetzt habe und mir damit den lebenslangen Unmut meiner Kinder zugezogen habe.

3. Zwei Zucchinipflanzen reichen. Für zehn Menschen, die sehr hungrig sind und jeden Sommertag bis in den späten Herbst hinein gerne viele Zucchini essen möchten.

4. Irgendwo versteckt sich immer eine Brennnessel, in die man beim Jäten hineinfasst.

5. Wer einen von außen einsehbaren Garten hat, muss in Smalltalk geübt sein und stets Antworten auf diese und ähnliche Fragen haben: „Na? Wieder fleißig?“ oder auch „Wächst alles gut?“

6. Gutes Werkzeug ist wichtig! Schaufeln oder Hacken, die sich in der lehmigen Erde verbiegen oder gar abbrechen braucht niemand. Und dann ist es halt so, wie die 87jährige Nachbarin gerne betont: „Billig und gut gehören nicht zusammen.“

7. Gärtnern ist eine ernstzunehmende Tätigkeit, gleichzusetzen mit der Kindererziehung. Und wie bei dieser gehen Meinungen auseinander, weswegen sich leicht ein Streit vom Gartenzaun brechen lässt. Ob Bohnen nun gehackt werden dürfen oder Kartoffeln mehr als zweimal gehäufelt werden müssen, ob es Un- oder Wild- oder Beikraut heißt oder ob man am Morgen oder besser am Abend gießen sollte. Nicken, lächeln, so machen, wie man denkt. Das passt auch im Garten.

8. Hacken spart gießen, Regen auch. Letzterer wird von mir genauso hoch geschätzt wie von meiner Gartenkollegin. Mehr Regen für die Gärten!

9. Blattläuse sind doof, doch ohne Blattläuse gäbe es weniger Marienkäfer und Marienkäfer liebt eigentlich jeder. Schnecken sind fies, aber Igel mögen Schnecken und wer mag Igel nicht? Ich übe mich darin, das Ungeliebte anzunehmen und zu dulden. Aus Gründen halt.

10. Egal wie wütend oder traurig ich bin, wenn ich eine Stunde lang im Garten gewühlt, gebuddelt, gerupft und gezupft habe, bekomme ich das breite, glückselige Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Esotheriker sprechen da von „sich erden“ und verflixt, da haben die recht.

 

So. Solch ein Stöckchen will ja rumkommen und deshalb beginne ich jetzt damit und werfe es der ambitionierten Balkongärtnerin Anne Schüssler zu. Vielleicht mag sie ja erzählen, was sie schon gelernt hat.

10 Dinge, die mich das Gärtnern gelehrt hat

  1. Es gibt nicht Schöneres als Baumärkte.
  2. Mit Ausnahme von Saatgutfachgeschäften.
  3. Regen ist toll! Wir sollten Regen viel mehr schätzen. Besonders warmen Regen.
  4. Dreckige Füße sind der Urzustand, in dem Füße offensichtlich sein müssen. Auch wenn ich Socken und Schlappen trage. Weiß der Henker, wie das kommt.
  5. Rückenfreundliches Bücken. Ich könnte einen Aufsatz darüber schreiben.
  6. Nähme ich an der „Runtastischen Liveaktikivität Kniebeugen“ teil, würde ich manchertags alle Rekorde brechen. Meine Oberschenkel sind nun aus Stahl (tief innendrin irgendwo).
  7. Töten. Die Hemmschwelle sinkt. Pia kennt das.
  8. Mehr denn je gilt: „Es geht immer weiter.“ (Der Giersch nickt zustimmend.)
  9. Eine Kohlrabi zu hegen und zu umsorgen, sie zu verteidigen und aufwachsen zu sehen, um sie dann zu essen, hilft tatsächlich, Lebensmittel schätzen zu lernen.
  10. Unsere Vorfahren (die ohne Supermarkt) hatten es echt nicht leicht.

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Hauptsache an der frischen Luft

Gartenarbeit hat ja bekanntermaßen sehr viele positive Aspekte. Neben der gepriesenen Beschäftigung an der frischen Luft, bekommt man jede Menge Bewegung und als Krönung des Ganzen auch noch eimerweise biologisch-dynamisch-fröhliches Obst und Gemüse. (Welches im Idealfall von keinem einzigen Familienmitglied verschmäht wird.) In Gartenzeitschriften werden im Garten schuftende Menschen gerne breit lächelnd mit einer hübschen Schere Rosen schneidend gezeigt. Ein Weidenkorb am Arm baumelnd, in dem eine bunte Mischung aus Möhren, Rüben, Tomaten und Salat leuchtet. In Variationen werden dazu Strohhüte, Latzhosen oder Arbeitshandschuhe mit Blümchendruck getragen.

Lassen Sie mich kurz berichten, wie wenig ich diesem Bild entspreche und was es mit dieser Gartenarbeit wirklich auf sich hat.

Dass ich keine Latzhosen trage ist eine persönliche Entscheidung, ich habe mir drei äußerst gemütliche Gummizugröcke genäht, die ich mit wetterabhängigen Schichten drumherum trage. Die Nachteile eines Rockes durfte ich allerdings neulich erfahren, als ich beim Jäten den Kampf gegen eine Wickenwurzel gewann, dabei aber leider rückwärts auf den Rücken plumpste. Mein Rock flog hoch, bedeckte mein schamrotes Gesicht und ließ ansonsten sehr viel mehr sehen als mir recht war. Seitdem grüßt mich mein Gartennachbar besonders freundlich.

Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem ich mich nicht irgendwie im Garten verletze, irgendwas schmerzt hinterher immer. Nach dem Jäten schmerzen Rücken, Knie und die hinteren Oberschenkelmuskeln. Nach dem Hacken der Rücken an einer anderen Stelle, die Schultern und die Blasen an den Händen. Nach dem Gießen die Schultern und die Muskeln in den Oberarmen, außerdem die Außenseiten der Waden, an die ich die Gießkannen beim Tragen immer dranbollere.

Brennnesseln oder Disteln pieksen in Hände, Füße oder Knie, Dornen, Stacheln und Schliffer (Spreisel) lassen sich an den merkwürdigsten Körperstellen finden. Gartengeräte fallen plötzlich um und landen auf Füßen oder an Schienbeinen oder liegen heimtückisch und beinstellend in der Gegend herum.

Außerdem gibt es noch diese Slapstick-Unfälle wie die neulich beschriebenen Versuche, die Bohnenstangen aufzustellen. Oder das hektische Gewedel, nachdem man mit dem Kopf in eine Spinnwebe geraten ist, bei dem eine Hand heftigen Birnbaumstammkontakt hat.

Am allerschlimmsten leiden allerdings meine Hände. Das ganze Wühlen und Buddeln rauht die Fingerkuppen so sehr auf, dass die Haut einreißt. (Und an eingerissener Haut läßt sich vortrefflich so lange herumzupfen, bis noch mehr Haut ein- und abgerissen ist.) Die perfekte Handcreme die mir meine Fingerkuppen retten könnte, muss wohl noch gerührt werden. Handschuhe, geblümt oder nicht, sind übrigens keine Alternative, ich muss spüren was ich tue.

Tja. Für ein bißchen Obst und Gemüse dieses ganze Leid und Elend? Ja, unbedingt. Bei der Gartenarbeit kann ich mich austoben, Ärger oder Traurigkeit verschwinden, neue Ideen für das Nähzimmer und Pläne für die Gärten tauchen auf. Ich komme müde, zerschlagen und völlig verdreckt aus dem Garten zurück – aber sehr, sehr glücklich. Und an der frischen Luft war ich auch.

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