Tierwelt

Sonnige, luftige Einzimmervilla im Skandinavienstil, großzügiger Südbalkon

 

Die geräumige, luftige und perfekt ruhig gelegene Villa (Erstbezug 2016) ist komplett aus Holz gebaut und innen mit einem komfortablen, weichen, outdoortauglichen Teppich in waldgrün ausgelegt. Zwei Fenster in Ost- und Südlage ermöglichen eine schöne, weite Aussicht und Lichtgarantie, solange es Tag ist. Eine große Eingangstür gewährleistet jederzeit Zutritt. Handgenähte Vorhänge mit Baumwollstoff aus einem großen schwedischen Showroom runden das Gesamtbild ab. Ein Stromanschlus ist geplant, wurde aber bislang ob der unterschiedlichen Meinungen der jetzigen Mieter bezüglich der Medienausstattung nicht bewilligt. Sanitäre Anlagen sind für den kleinen Bedarf direkt unter dem Objekt zu finden, für größere Geschäfte ist die WC-Abteilung in etwa 10 Sekunden Fußweg zu erreichen. Wasser kommt bei Regenwetter automatisch von oben und kann mit der Zunge bei Bedarf aufgefangen werden, ansonsten ist ein Schlauch in Reichweite.

Der großzügige Südbalkon lädt zum längeren Verweilen ein, von hier hört man Vogelstimmen aller Art und auch ein sportliche Betätigung in Form von hochklettern-rutschen-hochklettern-rutschen-hochklettern-rutschen ist jederzeit möglich. Eine Küche befinden die jetzigen Mieter nicht für nötig, werden doch Snacks vom Service bei Bedarf direkt hochgereicht.
Es besteht eine sehr gute Hausgemeinschaft mit allen Vögeln der Nachbarschaft – diese haben besonderen Wert auf Corporate Identitiy gelegt und deshalb darauf bestanden, Ihren Supermarkt farblich der Villa anzupassen.

So oder so ähnlich war die Annonce wohl versehentlich in den Medien „Wespenimmobilien aktuell“, „Insektimmoscout“ und „Neue Wespfälische“ abgedruckt. Sonst würde sich diese stete Ansammlung von Wespennestern in dem Objekt nicht erklären. Also bitte, liebe Medien, nehmt die Anzeige wieder raus, es reicht. Wir stellen demnächst ein Insektenhotel auf, da finden dann alle anderen einen schönen und artgerechten Platz.

Wo sind die Singvögel hin? Interview mit einem Dompfaff

Viele Gärtnerinnen und Gärtner sind irritiert: In diesem Winter gibt es sehr wenige Singvögel. Schuld ist nicht etwa die Vogelgrippe. Sie kann Singvögeln nichts anhaben. Vielmehr sehen Experten die Ursache im nasskalten Frühjahr 2016. Das Gärtnerinnenblog hat mit einem Dompfaff gesprochen. 

Herr Dompfaff, schön, dass Sie wieder da sind.

Ich freue mich auch. Es ist doch nirgendwo schöner als in der Heimat.

Wir haben uns schon gewundert, wo Sie und Ihre Singvögelkollegen abgeblieben sind. Der Naturschutzbund Deutschland hat Sie sogar zählen lassen

Das habe ich auch gehört. Ich kann natürlich nicht für meine Kameradinnen und Kameraden sprechen. Ich weiß, dass einige von ihnen das günstige Zinsniveau genutzt haben und sich vor dem Winter überall Immobilien gesucht haben, auch im europäischen Ausland. Ich selbst war für einige Zeit in Bad Orb.

Im Spessart? Zum Urlauben?

Nicht wirklich. Ich hatte über den Sommer stark zugelegt und musste mich deshalb zum Abspecken in eine Klinik begeben.

Sie saßen gerne am Futtertrog. Hier ein Bilddokument aus September.

Es war gesellig. Neben mir, das ist mein Freund Dennis aus Herne. Er kam jedes Wochenende. Damals war er noch Junggeselle. Da haben wir es halt krachen lassen.

Dennis musste aber nicht zur Kur. 

Dadurch, dass er regelmäßig die Strecke von Herne nach Dortmund und zurück flog, hielt sich die Gewichtzunahme bei ihm in Grenzen. Außerdem arbeitet er bei der Luftüberwachung. Da sitzt er wenig auf dem Ast.

Sie sind Schreibtischtäter?

Ich arbeite in der Jugendhilfe. Aufgrund der kalten Witterung im vergangenen Frühjahr hatte ich wenig Kundschaft und entsprechend nichts zu tun. Das drückte mir aufs Gemüt. Die ganzen Schicksalsschläge in meinem Garten. Schrecklich.

Sie hatten also auch psychische Probleme. 

Natürlich. Das steckst du nicht so einfach weg, wenn im Nest neben dir die Küken sterben. Ich selbst hatte ja 2016 noch keine Partnerin, also auch keine Familie. Einerseits: Was du nicht hast, kann dir nicht genommen werden. Andererseits hat mich das Single-Dasein seelisch belastet. Ich habe mich minderwertig gefühlt und versucht, diese Lücke in meinem Herzen mit Körnern zu füllen.

Hat die Kur denn etwas gebracht?

Absolut. Ich habe 6 Gramm abgespeckt und habe jetzt Idealgewicht. Psychisch geht’s mir auch besser.

Der Spessart ist nicht gerade um die Ecke.

Das war Teil der Therapie. Wir mussten eigenorganisiert anreisen …

Also selbst fliegen.

Genau. Das war ein Brett. In der ersten Etappe habe ich es gerade mal bis Aplerbeck geschafft.

Das ist der Nachbar-Vorort hier Dortmund, 500 Meter die Straße runter.

Es war erniedrigend. Denn seien wir ehrlich: Nach Aplerbeck, da kannst du hinspucken. Heute ist das nur ein Hopps für mich, das fliege ich mit einem Flügel. Aber seinerzeit …  Naja, ich hab’s durchgezogen. Es war schließlich offensichtlich, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich musste dringend fitter werden.

Auch wegen der Nachbarskatzen.

Ihr Menschen denkt, Moritz und Leo seien süß und kuschelig. Aber es sind Bestien. Im vergangenen Herbst haben sie meinen Schwager erwischt. Sie haben ihn brutal zerbissen, seine Leiche geschändet und dann liegenlassen. Meine Schwester ist bis heute nicht darüber hinweg. Erst die Kinder erfroren, dann der Mann totgebissen. Sie geht jetzt in so eine Angehörigengruppe. Ich hoffe, es hilft ihr.

Was sind Ihre Pläne fürs Frühjahr?

In Bad Orb habe ich meine große Liebe gefunden. Wir wollen eine Familie gründen.

Hier in Dortmund?

Sie kommt aus Gelsenkirchen. Wir sind uns noch nicht einig.

Was tun Sie beide, um dem Jojo-Effekt zu entgehen?

Ich selbst esse nur noch kleine Portionen, Hirsekörner zum Beispiel. Keine Sonnenblumenkerne und auch kein Fettfutter. Im Frühjahr möchte ich bei Flugwettbewerben mitmachen. Meine Partnerin geht regelmäßig zum Zumba.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. 

Dankeschön. Wir sehen uns.

Zwischen harter Aggression und weinerlicher Verzweiflung

Die Hitze der vergangenen Woche und das Heraufziehen des Herbstes haben einen dicken Vorteil: Die Nacktschnecken haben aufgegeben. Endlich, endlich darf was, was wachsen soll, ohne über Nacht von einer Schneckenarmee zerfressen zu werden!

Gut … es wachsen jetzt bald nur noch Christrosen, aber was solls.

War die Schneckenplage in diesem Sommer besonders schlimm? Ich habe es so empfunden. Schon im Mai ging es los. In den vergangenen Jahren hat es bis in den Juni oder Juli hinein gedauert – also bis Schwüle und Sommergewitter kamen -, eh dass die große Plage ausbrach. In diesem Jahr ging’s von Mai bis September durch. Sie Schnecken haben alles, aber auch wirklich alles abgefressen:

Sonnenblume mit Schneckenfraß

Gebeutelte Sonnenblume

Lupine mit Schneckenfraß

Lupine ohne Chance

Dahlie mit Schneckenfraß

Leidende Dahlie

Meine Gefühle schwankten zwischen harter Aggression und weinerlicher Verzweiflung.

Nicht einmal Kräuter haben sie stehen lassen. Sogar im Thymian hingen sie und haben ihn gefressen. Der Basilikum hatte bis in den August hinein keine Chance. Auch die Minze haben sie weggefräst.

Ich habe alles, wirklich alles versucht. Auch auf die nette Tour. Ich habe die Viecher abgesammelt. So muss sich Sisyphos einst beim Steinerollen in der Unterwelt gefühlt haben.

Ich habe Moos um die ersten Setzlinge gelegt (Kaffeesatz gibt es in diesem Haushalt nicht). Das half ein bisschen. Ich habe allerdings nicht viel Moos im Garten, das ich abzupfen konnte.

Ich habe ein Schneckenschreck-Saatband gepflanzt, das eine unüberwindbare Mauer zwischen Beet und Schnecke bilden sollte: Salat drinnen, Schnecke draußen. Es sprossen ein paar Blüten. Sie wurden von den Schnecken großzügig ignoriert.

Ich habe Schneckenkorn gestreut. Denn es half sonst alles nichts. Bestes Produkt, nach einigem Ausprobieren: Celaflor Limex. Hält lange, schimmelt nicht bei Regen, sehr effizient. Wie man sieht:

Rotkohl mit Schneckenleichen

Rotkohl an Schneckenleichen

(Andere Schneckenabwehrmaßnahmen – darunter Holzschnitze und Kupfer – werden im Hobby-Garten-Blog ausführlich diskutiert.)

Die Schneckenarmee lag danach tot in den Beeten, in ihrem eigenen Schleim, von Fliegen umschwirrt. Das war nicht schön. Aber besser so als anders. Ich bin übrigens sehr sicher, dass genug Tiere überlebt haben, um den Arterhalt zu sichern.

Nächstes Jahr werde ich es mit einem Schneckenstopp-Kupferband probieren, das ich um die Beete spanne. Das ist einigermaßen erschwinglich (pro Meter etwa 1 Euro).

Bis dahin werden die Leichen der in 2016 Dahingeschiedenen die Beete ausreichend düngen.  Ich habe sie jedenfalls regelmäßig und gründlich untergeharkt. Ihre Nachfahren können dann in 2017 gerne am Zaun stehe, von dort auf üppig gedeihendes Gemüse gucken – und Gras fressen.

Immerhin: Der Anfang August noch nachgepflanzte Salat und Kohl gedeiht aktuell prächtig. Jetzt, wo die Schnecken weg sind.

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Work-LIFE unterm Walnussbaum geht voran

Heute wurde die Liege geliefert. Sie entpuppte sich aber doch mehr als Liegesessel, auf Grund der Länge. Meine Beine hängen leicht über die Kante, da habe ich wohl die Maße nicht richtig beachtet. Oder die haben sich die Länge schöngerechnet, da man dieses Möbelstücks durch das flexible Innenleben verformen kann. Habe es vor dem möglichen zurück schicken aber doch erst mal ausprobiert. Ist superbequem als Lese-Liegesessel, und ich werde es behalten. Zum richtig liegen nehme ich dann halt doch die olle Liege-Liege. 2 Grills, 2 Liegen, das nennt man wohl Luxus. Aber wer hart arbeitet darf auch hart entspannen!  Und dann kam beim Einliegen-Lesen auch noch eines unserer Eichhörnchen ganz nah und ganz langsam an meinen Füßen vorbeigehuscht. Was für ein Glücksgefühl. Da muss der Freund sich mal kurz hinten anstellen.

Im Gärtchen wohnen 2 Eichhörnchen, die für ihre Art relativ unscheu sind. Ist ja auch kein Wunder, bei dem Futter das sie hier abschleppen und vergraben. Die Oma bekommt kaum Nüsse vom Baum, denn sobald die fallen sind A- und B-Hörnchen schon da. Und dieser Walnussbaum trägt nicht so viel. Darüber ist sie jedes Jahr etwas traurig. Mir persönlich ist es egal, ich habe ja noch den Nussbaum im Gadde. Und der hat so viele Nüsse, dass wir zu dritt jetzt noch davon haben. Trotz Walliser Walnusskuchen, Versorgung von Freunden und auch die Oma bekommt auch noch welche ab. Trotz eigenem Baum.

Der Rasen von der Oma besteht eigentlich nur aus ein bißchen Gras, viel Moos (schön weich für die Füße) und ganz vielen Walnussgräbern.

Lesesessel

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Herzerweichend

Das ist zwar kein direktes Gartenthema, aber auf Nachfrage erzähle ich gerne wie die Rehkitzrettung funktioniert.

Wenn das Gras hoch steht und die Mähsaison beginnt, setzen die Ricken ihre Kitze in die Wiesen. Die Ricken kommen dann nur zum säugen in die Wiesen zurück. Die Kitze können noch nicht aufstehen und haben auch, noch, keine Scheu vor irgendetwas oder irgendjemand. Wenn dann die Bauern ihre Wiesen mähen haben die Kitze keine Chance. Sie werden durch die Mähwerke verstümmelt oder getötet. Man sieht sie nicht im hohen Gras, und es geht auch alles viel zu schnell. Wenn man auf dem Bild die Hand anschaut, sieht man die Relation zum Kitz, die sind wirklich, wirklich winzig. Gerade mal eine Handvoll in den ersten Wochen.

KitzEs gibt eine Organisation von Freiwilligen im Odenwald, die koordiniert die Landwirte, Jagdpächter und freiwilligen Helfer. Man geht in Reihen mit ca. 10 Personen in einem Abstand von maximal 1m, eher dichter, durch die Wiesen und schaut angestrengt ins hohe Gras. Und zwar so, dass kein Stück der Wiese unbelaufen und unbeguckt bleibt. Und es gibt große Wiesen! Wenn ein Kitz gefunden wird, meisten sind sie zu zweit, nimmt man sie mit viel Gras auf und setzt sie in eine Kiste an den Wiesenrand. Auf keinen Fall darf man sie einfach vom Boden aufnehmen und wegtragen. Der von der Kleidung übertragene menschliche Geruch bewirkt, dass die Ricke ihr Kitz dann nicht mehr annimmt. Also immer dick in frisches Gras einpacken. Wenn die Wiese abgelaufen ist gibt es eine Entwarnung an den Landwirt, der dann sofort kommt und mäht. Wenn er damit fertig ist, setzt er oder der Jagdpächter die geretteten Kitze wieder auf die Wiese zurück.

Kitz2

Letztes Jahr haben wir so 108 Kitze retten können.

 

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Dinner for Ronny

Mein Garteneichhörnchen Ronny hat jetzt ein Futterstation.

Eichhörnchenfutterstation

Ronny ist ein bisschen dösig. Er wohnt im Garten nebenan, kommt ab und zu rüber und ist dann immer fürchterlich irritiert, wenn schon jemand da ist. Eine Taube zum Beispiel. Oder eine Amsel. Dann hockt er im Beet, ratlos, erstarrt, was soll er jetzt tun? Was wollen die anderen hier? Ich kann seinen Kopf förmlich rauchen sehen.

Mit dem Essensammeln ist es auch nicht weit her. Er lässt sich von der Gartentaube die Sonnenblumenkerne vor der Nase wegfressen, starrt sie dabei an, geht einen Schritt vorwärts, die Taube guckt böse, er weicht zurück. Sein Leben ist alles andere als einfach.

Nun hat er eine Futterstation. Sie hing vorher am Haus, aber das war zu nah am Menschen, das mochte er nicht. Nun hängt sie am Zaun. Vielleicht kommt er auf die Idee, dort hoch zu kletten, vielleicht muss er ein bisschen üben, ein bisschen nachdenken, dann öffnet er den Deckel und  … nun gut, das ist abwegig.

Eher organisieren sich die Meisen zu einer mobilen Eingreiftruppe und fressen den Würfel leer. Go, Ronny, go!

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Lavendel

Vor meiner Terrasse wächst Lavendel.

Ich habe ihn im vergangenen Jahr dort gepflanzt: ein Träger voll, acht oder zehn kleine Pflänzchen. Inzwischen sind sie zu zwei dicken Lavendelpummeln herangewachsen, einer rechts, einer links im kleinen Beet vor dem Rasen.

Das Wunderbare: Hummeln und Schmetterlinge lieben den Lavendel. An schönen Tagen summt und brummt es dort, es sind immer mindestens zwei oder auch drei Insekten dabei, Pollen zu sammeln.

Ich genieße es, vor dem Lavendel zu sitzen und die Hummeln zu beobachten. Falls Sie also noch Platz haben: Pflanzen Sie Lavendel!

Hummel in Lavendel

 

Hummel in Lavendel

 

Hummel in Lavendel

 

Hummel in Lavendel

 

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Gartenhund? Hundegarten!

Vor einigen Jahren schrieb ich an anderer Stelle davon, wie ich mir ein Leben mit Kindern vorgestellt hatte, welche Pläne und Wünsche ich hatte, was ich dann tatsächlich erlebte und wie ich meine Vorstellungen zurechtrücken musste. Hätte ich mich nur daran erinnert, als mir ein Hochglanzzeitschriftenbild vor Augen stand, in dem ein glücklicher Hund malerisch unter einem knorrigen Obstbaum liegt, direkt neben bunt blühenden Sommerstauden, mit der Nase an einem Korb voll saftiger, roter Erdbeeren. Das einzige Realistische in diesem Bild sind der knorrige Obstbaum (Birne) und der gerade noch glückliche Hund (Lola, fast fünf Monate jung.).

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Während die ganze Familie fleißig vor sich hinwurschtelt, wird der glückliche Hund immer unglücklicher, denn leider mag er nicht malerisch unter dem Birnbaum liegen, sondern stattdessen alles, was zart grünt und sprießt aus der Erde rupfen, will tiefe Löcher in die wunderbar gelockerte Erde buddeln und sich hingebungsvoll in frisch gegossenen Erbsen wälzen. Das darf Lola natürlich nicht, weswegen sie angebunden wird. Da die Leine aber ziemlich lang gelassen wird (der arme, kleine Hund soll ja nicht gefesselt werden), sind vier Erdbeerpflanzen, die sie gerade noch erreichen kann, völlig kahlgefressen. Und es ist Lola völlig egal, ob sie rote oder grüne Erdbeeren oder gar Erdbeerblätter frisst, sie zerkaut einfach alles, spuckt es dann notfalls wieder aus. Das Hochglanzzeitschriftenbild von glücklichem Hund in üppigem Gemüsegarten muss offensichtlich noch ein bißchen warten, aber wenn es mal so weit ist, werde ich es knippsen und niemandem verraten, wie lange ich darauf warten musste. (oder womit ich den Hund dafür betäubt oder bestochen habe)

Um Lola nicht alles verbieten zu müssen, haben wir einen Teil der Ländereien der Grünen Villa abgesperrt. Dort darf sie frei herumflitzen, sehr tiefe Löcher buddeln und alle Äste, Zweige, Stöcke und Knorzen zerschreddern, die sie finden kann oder wir ihr in der vergeblichen Hoffnung, sie würde sie apportieren, in die Ecken schmeißen. Im Notfall darf sie dort auch pinkeln und kacken, immerhin ist sie fast noch ein Baby und ich bin da nachsichtig. Leider stehen in diesem Gartenstück noch etliche große Töpfe mit Funkien, die in naher Zukunft an den Gartentümpel ziehen sollen. Falls Lola sie nicht vorher völlig zerrupft hat. Das tut sie nämlich dann, wenn sie glaubt, dass sich niemand um sie kümmert, weil dann hat sie sofort meine volle Aufmerksamkeit. Genauso, wenn sie die Bergenien frisst, am Efeu kaut, die Kermesbeere ausgräbt oder Dutzende von grünen, runtergewehten Kirschen verschlingt.

Neulich half sie mir bei der Gartenarbeit, denn ich erlaubte ihr, so viel Giersch wie sie will auszureissen und wegzuscharren. Leider räumte sie regelmäßig meinen Grünschnitteimer wieder aus, in den ich den herausgerupften Giersch stopfte und als der Eimer dann auch noch kippte und mit viel Getöse auf ihrem Kopf landete, war es mit der Hilfe vorbei und sie suchte Schutz hinter den Funkien. (und begann augenblicklich, diese anzukauen.)

Meine Zeit im Garten beschränkt sich derzeit auf knapp anderthalb Stunden, von halb acht bis neun Uhr abends, wenn Kinder und Gatte die Hunderunde übernehmen. Dann hacke ich sehr hektische die Gemüsebeete, zupfe die unangenehmsten WildUnBeikräuter weg und werfe literweise Wasser in den Garten. Währendessen erschlage ich Millionen von Stechmücken, denn dank des Rheinhochwassers im Mai sind die eine echte Plage.

gartenlola

Gießkannen findet Lola übrigens Klasse, nie schmeckt das Wasser besser, als wenn es über Nacht in der Gießkannen dekantiert wurde.

Trotz der kleineren und größeren Hundeablenkungen hat auch hier die Ernte begonnen. Lola frisst nicht alle Erdbeeren, für uns bleiben auch noch welche. Außerdem gibt es Erbsen, Kohlrabi und Salat. Die Paprikapflanzen blühen wie verrückt, die Bohnen klettern und sogar die Tomaten kommen aus dem Quark. Heute abend ernte ich die ersten Johannisbeeren und vielleicht können wir dem Rharbarber noch zwei, drei Stangen entreissen, um Rharbarberkuchen backen zu können. Ab dem 24. Juni (Johannistag) darf er ja nicht mehr geerntet werden.

Ich beende das Schwätzchen an dieser Stelle, denn soeben flitzte ein vorwitziger Welpe mit einem Gartenclog im Maul an mir vorbei und ich bin mir sehr sicher, dass sie diesen nicht als Schutz für zarte Pfoten braucht.

Gartenhilfe. Oder halt doch nicht.

Es ist ja nicht so, dass es im Garten keine Arbeit mehr gäbe. Ganz im Gegenteil! Gemüsebeete wollen gehackt werden, UnBeiWildkraut entfernt und die ersten verblühten Gewächse sollten zurückgeschnitten werden. Da der Regen bis heute (endlich!) fünf Wochen lang nicht kommen wollte, goss ich jeden Abend eine Stunde lang Gepflanztes in zwei Gärten und pumpte danach die Gießwasserfässer wieder voll. Tolles Krafttraining und Gartenarbeit ist ja auch mächtig entspannend, aber hey! Regen! Mehr davon bitte.
Scheinbar genug zu tun, aber irgendwie zog dann trotzdem plötzlich ein Hundebaby bei uns ein. Ein äußerst gartenbegeistertes Hundebaby, das mit allerniedlichsten Pfoten:

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jede Menge Scheißelkram im Garten anstellt. Zum Glück ist unser Rasen sehr weit von dem entfernt, was man einen gepflegten, englischen Rasen nennt, denn derzeit wird er als Notfalltoilette, Buddelplatz und Nahrungsergänzung (Gänseblümchen, Klee und manch Schnirkelschnecke) genutzt. Erreichbare Kräuter werden mit großer Wonne abgekaut und ich erkenne den Feinschmeckerhund sofort: macht nicht Halt vor Rosmarin, Pimpinelle und Currykraut.
Nach einem ausgedehnten Spaziergang hielt ich das Hundebaby für erschöpft genug, dass es angebunden im Gemüsegarten dösen möge, bis ich mit dem Gießen fertig bin. Dem war leider nicht so. Während ich knapp ein Dutzend Kohlrabi goss, fraß das Hundebaby zwei Erdbeerpflanzen mit Stumpf und Stiel und buddelte den Rharbarber halb aus.
Offensichtlich haben wir nicht den richtigen Zeitpunkt für einen Familienzuwachs gewählt (Winter wäre super, da ist ja fast nix zu tun), aber das ist nun halt so. Und wer könnte Lola schon böse sein?

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Wenn ich mal nicht gerade mit diesem Hundezeug wie Gassi gehen, „Sitz!“ beibringen und Hundebaby von Tisch, Bank und Bett klauben beschäftigt bin, zeige ich den Junigarten. Der ist nämlich – trotz Hundeschäden – ziemlich hübsch.

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hübsch, aber gemein

Auf meinem Kartoffeläckerchen wachsen drei verschiedene Sorten Kartoffeln: Blaue Schweden, British Queen und Golden Wonder. Ausgesucht habe ich sie, weil sie nicht nur weiß, sondern sogar zartlila blühen. Und weil mir die Beschreibung von Geschmack und Beschaffenheit der Kartoffeln so gut gefiel. (rund 100 verschiedene Sorten!)

Die Kartoffeln haben ganz wunderbar ausgetrieben, wurden bereits säuberlich angehäufelt und von diversen Wild/Un/Beikräutern befreit. Ein Kartoffeläckerchen wie aus dem Lehrbuch.

Unglücklicherweise haben nun die Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) diese gehätschelten Kartoffelpflanzen entdeckt.

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Kartoffelkäfer sind wirklich hübsch, es lohnt sich sehr, sie sich genauer anzusehen. Unglücklicherweise sind Kartoffelkäfer immer hungrig und treten gerne in Rudeln? Herden? Scharen? auf. Ziemlich schnell wird dann aus einer üppigen, saftigen Kartoffelpflanze ein trauriges, zerrupftes Pflänzchen, das ums Überleben kämpft und keine Kraft mehr hat, um viele, leckere Kartoffeln auszubilden. Das wäre schade.

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Seit einigen Tagen krieche ich jetzt auf Knien durch mein Kartoffeläckerchen und sammele Kartoffelkäfer ab. Das macht nicht richtig viel Spaß, manchmal ist es sogar ein bißchen eklig, denn die Käfer haben kleine Widerhaken an den Beinen, mit denen sie sich an der Haut festkrallen können. Oder sie hinterlassen merkwürde Tröpfchen in gelborange. Schlau sind sie obendrein, denn sowie die Kartoffelpflanze ein klitzekleines Bißchen erschüttert wird, lassen sich die Käfer zu Boden fallen. Dort sind sie perfekt getarnt. (und kichern wahrscheinlich sehr leise.)

Aber was tue ich mit den abgesammelten Kartoffelkäfern? Sie in den Nachbargarten zu werfen wäre nicht nur gemein, sondern auch umsonst, da dort a) keine Kartoffeln gepflanzt sind und b) die Käfer fliegen können und schneller wieder da sind, als ich „Kartoffelkäfer flieg!“ singen könnte. Letztes Jahr habe ich die Käfer in ein Blechkännchen gepackt, Wasser aufgefüllt und einen Deckel auf´s Kännchen gelegt. Nach drei Tagen habe ich die tote-Käfer-Brühe zurück an die Kartoffeln geschüttet. Das war grausam und eklig. Und roch wirklich schlimm.

Dieses Jahr knacke ich die Käfer zwischen zwei Steinen. Das ist grausam und eklig. Und jetzt liegen da in der einen Ecke lauter zerschmetterte Kartoffelkäfer.

Gift spritzen wäre nicht ganz so mittelbar, aber nicht minder grausam und dafür noch doppelt eklig, weil … naja. Gift. Ist das dann in den Kartoffeln, die ich essen will? Was ist mit anderen Insekten?

Es ist ein Dilemma, doch Gärtnern ist eben auch immer ein bißchen grausam.

Wenn man die Kartoffelkäfer ignoriert, haben die ein glückliches Leben.

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An den Blattunterseiten der Kartoffelpflanzen lassen sich bald leuchtend gelbe Eigelege-Klümpchen finden, aus denen kurze Zeit später kleine, dunkelrote Kartoffelkäferlarven schlüpfen. Die kleinen dunkelroten Larven werden zu großen, herrlich pinkfarbenen Larven, die dann ziemlich schnell wieder zu Kartoffelkäfern werden. Ein Kartoffelkäferweibchen legt bis zu 1200 Eier. Meine knapp sechzig Kartoffelpflanzen hätten keine Chance.

Gibt es nicht eine Pflanze, die ich den Kartoffelkäfern ersatzweise anbieten könnte?

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