Eingemachtes von Pia :

Gartenplaner

Seit einer Woche habe ich im Garten Unterstützung von einem jungen Nachwuchstalent. Mein Nachwuchsgärtner wird demnächst acht Jahre alt und mit der Energie und Motivation seines Alters hat er sich in das Abenteuer „Mein erstes, eigenes Beet“ gestürzt. Schon vor dem ersten Spatenstich hat er etwas getan, was mir bisher noch nie gelungen ist: er hat sich einen Plan gemacht.

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Das nötigt mir allerhöchsten Respekt ab, denn ich selbst bin in Gartenbelangen höchst unorganisiert. Ich habe zwar meistens eine recht genaue Vorstellung davon, was ich anpflanzen möchte, verschwende aber keinen Gedanken daran, ob Platz (und/oder Budget) ausreichen oder welche Mengen ich von was benötige. Meine Lieblingsgärtnerei freut sich natürlich darüber, denn planlose Einkäufer kaufen immer mehr als andere.

Mein Nachwuchsgärtner hat zwei Tage lang im Garten geschuftet. Hat umgegraben, gehackt, gejätet und endlich auch gepflanzt. Zu seinem großen Glück wurde mein Nachbargarten gerade komplett umstrukturiert und dafür ganz leergeräumt. Er durfte sich also nach Herzenslust an Blumen und Gemüse bedienen und diese in sein Beet pflanzen. So wurde das Beet recht schnell voll, es blieb nur noch wenig Platz für Radieschen- und Karottensamen.

Nach der schweren Arbeit im Beet hatte mein Nachwuchsgärtner trotzdem noch Kraft für dies:

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Und ja, auch hier hat er mir einiges voraus. Ich säe wirklich gerne und liebevoll, vergesse aber ziemlich schnell, was ich wo gerne und liebevoll gesät habe mit dem Ergebnis, dass ich ein paar Tage später gerne und liebevoll Gesätes jäte und mich dabei im besten Fall schnell wundere, warum die Spontanvegetation so gleichmäßig wächst. (Säen ist sowieso schwierig, weil es so lange dauert, bis etwas wächst und die Schnecken so schnell sind … aber dies ist eigentlich ein Thema für einen eigenen Artikel)

Offensichtlich bin ich nicht die Einzige, die sich mit Ordnung und Organisation im Garten schwertut, denn man kann sich zur Unterstützung ein Gartentagebuch zulegen. Rechts das Exemplar meines Nachwuchsgärtners, links ein professionelles Exemplar aus dem Familia Verlag.

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Mittlerweile gibt es ja Planer und Organisationshilfen für alle Lebensbereiche. Ob und wann ein Planer sinnvoll ist und wann man sich vielleicht einfach ein bißchen Spontaneität erlauben darf, darüber kann man streiten, ein Gartenplaner ist (für mich) sicher nicht die unnötigste Anschaffung.

Das Gartentagebuch ist ein Ringbuch. Ich mag Ringbücher, in denen kann man rasch hin- und herblättern.

Auf den ersten Seiten des Buches ist Platz für Notizen über den eigenen Garten. Größe, Bodenart und Lage können vermerkt, Vor- und Nachteile notiert werden. Danach gibt es Platz für Pläne und Vorhaben.

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Es folgen allgemeine Tipps zur Bodenvorbereitung für die Saat, Ableger, Teilungen und Absenker und danach Tabellen, in denen Name und Saat- und Pflanzdaten eingetragen werden können. Für unorganisierte Menschen wie mich wirklich gut. (fehlt nur noch der kleine Motivationsschubs, diese Tabellen auch wirklich zu pflegen)

Der Rest des Tagebuchs ist in Monate gegliedert, diese sind wiederum in Wochen aufgeteilt.

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Jeden Monat gibt es allgemeine Gartentipps, zusätzlich Vorschläge und Ideen, die im Garten umgesetzt werden können.

Für eigene Ideen und Projekte ist Platz, genauso wie für besondere Beobachtungen. Und für die Statistikfreunde unter uns gibt es wöchentlich eine Tabelle für Niederschlagsmenge, Wetter, Sonne und Mondphasen.

Am Ende des Tagebuchs bleibt Platz für eine Auswertung der Jahreszeiten und für Notizen. Außerdem liegt dem Tagebuch ein Päckchen mit Salatsamen bei. (die werde ich säen, sowie das zweite Hochbeet steht, das erste ist bereits voll)

Ich bin ein bißchen hin- und hergerissen. Einerseits gefällt mir die Idee sehr gut, planvoll zu arbeiten und ggfs nachlesen zu können, was ich wann ein Jahr vorher tat und ob sich das bewährt hat. Denn man kann sich einfach nicht alles merken. Andererseits tobt mein innerer Revoluzzer, der sich nicht gerne einengen lässt und bei vorgedruckten Tagebüchern umgehend an „Freundebücher“ samt Fragen wie „Was ist dein Lieblingsgemüse“ denken muss. Es gab sehr viele Freundebücher in unserem Leben. Zu viele. Insofern bin ich da wirklich voreingenommen, das streite ich nicht ab.

Das Tagebuch bekommt auf jeden Fall eine Chance bei mir, aber ich werde damit bis Januar warten. So groß ist mein innerer Revoluzzer dann doch nicht, dass er mich ein vorgedrucktes Tagebuch erst im April beginnen lassen würde. Mir gefällt am meisten die Idee, ein paar Jahre später von Erfolg und Scheitern nachlesen zu können. Und vielleicht kann ich mit Hilfe des Saatplans tatsächlich Gesätes ernten, statt es vorher zu jäten. Das wäre eine feine Sache.

 

Herzlichen Dank an den familia Verlag für das Bereitstellen dieses Rezensionsexemplars!

 

Der Aprilgarten 2016

ist üppig grün! Vergleichen Sie gerne mit dem Aprilgarten im letzten Jahr, als ich alles frisch anlegte.

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Von den vielen Stauden, die ich letztes Jahr pflanzte, sind fast alle wieder da. Ein Hoch also auf den milden Winter! Kalifornischer Mohn, Ringelblumen und Schlafmohn, deren Samen ich großzügig verteilte, marodieren durch die Beete und das ist absolut in Ordnung. Da, wo sie mich stören, lassen sie sich ja leicht jäten. Im Vordergrund ist das Erdbeerfeld, dass sich noch unter Gänsedisteln und Löwenzahn versteckt. Ich fand es letztes Jahr wirklich hübsch, als der Löwenzahn leuchtend gelb blühte. Als er sich aber zu nicht weniger hübschen Pusteblumen entwickelt hatte, war der gar nicht mehr so kleine Hund in unsere Leben getreten und hatte uns jegliche Gartenzeit geraubt. Ich habe letztes Jahr also das Beschäftigungsprogramm für die nächsten zwei Wochen gesät: Löwenzahn ausstechen, große Freude!

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Die Gemüsebeete sind teilweise noch nicht leergeräumt, teilweise leer, teilweise sogar schon wieder mit Weiß-, Spitz- und Rotkohl, Kohlrabi, Fenchel, Knollensellerie, Mangold und Salat bestückt. Bohnen sind auch gesteckt, Erbsen und Steckzwiebeln folgen die nächsten Tage. Eines meiner Beete habe ich an meinen sieben Jahre alten Gartenhelfer abgetreten, demnächst zeige ich dieses Beet genauer!

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Am noch immer teilweise unbedachten Tomatenhaus lehnt der Staketenzaun, den der große Sohn mir gerade aufbaut. Das üppige Grün auf dem Boden sind Klatschmohn und Feinstrahlastern. Bis die Tomaten im Mai ins Freie kommen, werde ich diese Flut hoffentlich eingedämmt haben.

Meine Gartenmotivation ist riesig und es gibt sogar wieder ein bißchen Zeit, denn der gar nicht mehr so kleine Hund braucht zwar noch immer viel Bewegung, findet aber zwischen den Hunderunden gut zur Ruhe und lässt mich wieder arbeiten. Und Arbeit gibt es sowohl in diesem Garten als auch in dem am Haus reichlich.

Neu hier im Garten sind zwei Johannisbeer- und zwei Stachelbeersträucher, sowie eine Jostabeere. Alle fünf ausgegraben bei der Nachbarin, die ihren Garten gerade arbeitsfreundlich plattmachen lässt. Ebenfalls neu ist eine Feige, die mir im November gebracht wurde, weil sie an der falschen Stelle in einem Garten wuchs. Alle umgepflanzen Sträucher und Bäume treiben aus, ich bin sehr glücklich darüber!

Hach! Es geht wieder los!

Wo ist denn die andere Gärtnerin?

Hier ist sie! (Stellen Sie sich bitte vor, wie ich wild Arme schwenkend im zugewucherten Garten auf und ab springe)

Ich muss gestehen, die Sache mit dem Gärtnern (und dem darüber Bloggen) ist sehr vernachlässigt worden. Alles begann damit, dass dieser verrückte, mittlerweile gar nicht mehr so kleine Hund bei uns einzog, der mir die kostbare Gartenzeit stahl oder sich, wenn ich ihn im Garten frei laufen ließ, sehr kreativ buddelnd einbrachte. Und dann kam dieser unglaublich heiße, trockene Sommer, der die sehr lehmhaltige Erde in meinem Garten zu einer festen Platte zusammenbuk, durchzogen von tiefen Trockenheitsrissen. Das Grundwasser versiegte und ich hatte keine Möglichkeit mehr zu gießen. Mein Gartenspaß verdörrte wie die vielen Salatpflänzchen, die immerhin auch nicht von Schnecken gefressen wurden, denn denen war es auch zu trocken. Es folgte eine kurze, eher hektische Ernteperiode. Meine Paprikapflanzen mochten die Hitze sehr, sie trugen reichlich. Es wurde kühl und begann zu regnen, die Tomaten faulten an den Stöcken bevor sie auch nur annähernd reif waren, genauso war es mit den Zucchini. (was die Kindelein nicht allzu traurig machte)

Meine Zeit für den Garten wurde immer knapper, weil der nun recht große Hund zwei ausgedehnte Spaziergänge am Tag super fand (und findet), wir Geburtstage und sonstige Feste feierten und ich ein bißchen krank wurde.

Der Winter kam und brachte weder Frost noch gnädig verhüllenden Schnee mit. Und so laufe ich täglich bei der Hunderunde an meinem verwilderten Garten vorbei, werfe einen wehmütigen Blick hinein und schaue schnell wieder weg. Wieder daheim warten nämlich die ehrenamtlichen Aufgaben, die sich in den letzten Wochen und Monaten anhäuften. Ich habe keine Ahnung, wie das mit dem Garten (mit den Gärten, ich habe ja zwei) weitergehen wird. Vermutlich werden mich die ersten wärmeren Sonnenstrahlen sehr eindringlich in den Garten rufen und ja, ich vermisse es schon sehr, bis zu den Ellenbogen in der Erde zu stecken. Meine Pläne sind jedenfalls sehr zurückhaltend für dieses Jahr und so wird sicher auch die Bloggerei hier etwas spärlich ausfallen.

Ein Grund, dieser Gärtnerei unbedingt noch Platz einzuräumen ist ja, dass ich noch immer ernten kann:

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Rotkohl, Weißkohl, Spitzkohl und sogar ein paar kümmerliche Rosenköhlchen verstecken sich unter der Spontanvegetation und bereichern unseren Speiseplan. Ich finde ja, dass Rotkraut zu den allerschönsten (und -leckersten) Gemüsen gehört!

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Außerdem sind sämtliche Kohlsorten ausgesprochen anspruchslos und schon deshalb muss ich den Garten wieder freischaufeln, um ihnen Platz zu geben. Und dann natürlich hier darüber berichten.

Ich kapituliere vor der Hitze.

Bisher habe ich sie immer verteidigt, sprach von „es ist eben Sommer“ und außerdem mögen meine Tomaten und Paprika die Sonne.

Heute aber, nach dem gefühlt zwanzigsten Tag mit über 30 Grad, gebe ich auf. Zusammen mit meiner Handpumpe im Garten, die nichts mehr pumpt. Es gibt nämlich nichts mehr zu pumpen, das Grundwasser ist weg.

Ok, Sommer. Warst super bisher. Jetzt bitte Regen. Viel Regen, weil die Winzer würden sich auch freuen.

Der Garten im Juli

Herrjeh. Juli.

Beständigeres Wetter wäre schön. Entweder brutzelt die Sonne das saftige Grün in dürres Gelb oder es regnet so heftig, dass die Gemüsebeete sich in Sumpflandschaften verwandeln. Dazu stürmt es heftig, worunter besonders die Tomaten leiden. War das früher mit dem Wetter auch so heftig oder scheint mir das jetzt nur so, weil ich mich um zarte Pflänzchen kümmere?

Trotz aller Widrigkeiten: hier wird kräftig geerntet!

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Die Zucchiniernte ist (noch) überschaubar, dafür schwimmen wir in Mangold. Paprikas gedeihen ganz wunderbar, genauso wie die verschiedenen Kohlsorten. Kohlrabis habe ich bereits zum zweiten Mal gepflanzt, genauso wie verschiedene Salatsorten. Mit letzteren habe ich nicht so viel Glück, viele verfaulen von innen. Schneller, als sie von Schnecken gefressen werden könnten.

Die Erbsen vertrugen das Wetter nicht, die Nachsaat kam erst gar nicht in die Gänge. Auch die Bohnen sehen jämmerlich aus, die Ernte ist mehr als mager. Dafür habe ich jede Menge preisverdächtige Zwiebeln aus der Erde gezogen! Das ist mir bisher noch nie gelungen.

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Wie jedes Jahr habe ich bei den Tomaten den Moment verpasst, in dem mal wieder ausgegeizt werden könnte. Ich habe jetzt also Tomatenbüsche im Garten stehen, aus denen ich mühsam und vorsichtig die reifen Tomaten raussuchen muss. Und wie Sie sehen können: das Tomatendach fehlt noch immer. Vielleicht dann nächstes Jahr, wenn das Hundkind nicht mehr meine ganze Zeit klaut.

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Mein (geplant) üppiges Staudenbeet ist ein Gemisch aus Spontanvegetation und kümmerlicher Kapuzinerkresse, ein bißchen Schafgarbe und kalifornischer Mohn kämpfen auch noch tapfer gegen Vernachlässigung. Die Erdbeeren im Vordergrund schreien laut „lichte uns aus, jäte die Gänsedisteln weg und überhaupt: wir haben so viele Ableger, mach was mit denen!“ Verzeihung, liebe Erdbeeren, derzeit hege und pflege ich das Gemüse, damit wir das bald essen können.

Es passiert tatsächlich nur das Allernötigste in diesem Garten, im anderen Garten sieht es ähnlich verwildert aus. Quasi zeitgleich mit einem zweiten Garten ein Hundekind in Pflege zu nehmen war nicht eine meiner hellsten Ideen.

Aber es wird besser und ich weiß jetzt auch genau, dass im Garten eine Kiwi fehlt und sehr viel mehr Mais. Nächstes Jahr dann.

(und wie wunderbar wäre es, nicht erst im Dezember Geburtstag zu haben, denn dann könnte ich auf die „Was wünschst du dir?“-Frage einfach mit „Ganz viele Blumenzwiebeln!!“ antworten.)

Der Garten im Juni

Schnell, schnell, der Juni ist fast vorbei! (bin ich die Einzige, der das Jahr in den Händen zu verrinnen scheint?)

Der Juni begann hier mit großer Hitze und Trockenheit. Jeden Abend schüttete ich unzählige Gießkannen an mein Gemüse, doch der Boden war so ausgetrocknet, dass das Wasser in Pfützen darauf stehen blieb, statt an die durstigen Wurzeln zu sickern. Das Gemüse kümmerte vor sich hin, die Stauden hingen schlapp in der Gegend herum, die Erdbeeren blieben winzig (aber sehr, sehr süß!). Obendrein gab es hier am Rhein eine regelrechte Mückenplage, um eine halbe Stunde weitestgehend ungestochen gießen zu können, musste man entweder in langen Klamotten schwitzen oder sich sehr sorgfältig mit Mückenschutzmitteln einreiben. Das Rheinhochwasser im Mai hatte die vermehrte Mückenbrut begünstigt, die vielen Stürme hatten verhindert, dass die Stechmückenbekämpfung per Hubschrauber stattfinden konnte. Es war unerträglich und ich arbeitete nur das Nötigste im Garten.

Als die Mücken weniger wurden, sank die Temperatur und der langersehnte Regen fiel. Beinahe eine Woche lang regnete, regnete, regnete es. Ringsherum jammerten die Menschen über das Wetter, ich grinste jedesmal, wenn ich bei der Hunderunde an meinem Garten vorbei lief. Von Tag zu Tag wurde das Grün satter und die Kohlrabi dicker.

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Zum Regen kam die Schafskälte, doch im Garten wächst und gedeiht es!

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Die Paprikas wachsen, blühen und tragen reichlich Früchte, die Zwiebeln dahinter werden immer kräftiger. Und sogar die mickrigen Rosenkohlpflänzchen, die ich schon aufgegeben hatte, treiben neu und kräftig aus. Sowie der Boden ein bißchen angetrocknet ist, muss er dringend gehackt werden und die Un/Wild/Beikräuter, die am meisten stören, ausgezupft werden.

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Auch die Tomaten kommen nun endlich in Fahrt. Nachdem die erste Saat kaum über das Keimblattstadium kam, holt die zweite Saat jetzt kräftig auf. Das muss ich mir dringend für das nächste Jahr merken: ich muss im März keine Panik bekommen, weil ich noch keine Tomaten gesät habe. Auch im Mai gesäte Tomaten werden groß und versprechen gut zu tragen.

An einem der kommenden Wochenenden bekommen die vorderen Tomaten ebenfalls Dächer, bisher war dafür keine Zeit.

Sie können auf diesem Bild übrigens sehr gut sehen, dass ich es mit dem Jäten nicht ganz so genau nehme, bzw. nur dort jäte, wo ich Platz brauche. Die weißblühenden Feinstrahlastern hier im Bild säen sich überall im Garten aus, doch ich mag ihre Blüten sehr und obendrein bieten sie den Tomaten guten Windschutz, deshalb dürfen sie bleiben.

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Der Blick zur anderen Gartenseite ist eher langweilig. Die vielen Stauden sind bereits verblüht, die Blumen, die ich gesät habe, hatten während der Trockenheit keine Chance zu keimen. Viel Erde mit ein bißchen Grün dazwischen … ich hoffe, dass das im Laufe des Sommer noch bunter wird. Nächstes Jahr wird das Staudenbeet sicherlich üppiger blühen, ich muss mich eben in Geduld üben. Und falls das alles nicht so wird, wie ic mir das vorstelle, gibt es eben noch mehr Gemüse, Gemüse kann ich.

Heute ist es hier bereits wieder warm, die Sonne scheint: allerbestes Pflanzenwachswetter. Und allerbestes Schädlingswetter, denn wenn es feucht und warm ist, kommen sie:

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Und sie bringen ihre Freunde mit. Viele Freunde! Weinbergschnecken, Schnirkelschecken, klitzekleine Turmschnecken, weiße Nacktschnecken, schwarze Nacktschnecken, rote Nacktschnecken und Tigerschnegel, die einzigen Schnecken, die ich wirklich mag. Am Wochenende gehe ich auf die Jagd, mit Schaufel und Eimer. Wünschen Sie mir Jagdglück.

Gartenhund? Hundegarten!

Vor einigen Jahren schrieb ich an anderer Stelle davon, wie ich mir ein Leben mit Kindern vorgestellt hatte, welche Pläne und Wünsche ich hatte, was ich dann tatsächlich erlebte und wie ich meine Vorstellungen zurechtrücken musste. Hätte ich mich nur daran erinnert, als mir ein Hochglanzzeitschriftenbild vor Augen stand, in dem ein glücklicher Hund malerisch unter einem knorrigen Obstbaum liegt, direkt neben bunt blühenden Sommerstauden, mit der Nase an einem Korb voll saftiger, roter Erdbeeren. Das einzige Realistische in diesem Bild sind der knorrige Obstbaum (Birne) und der gerade noch glückliche Hund (Lola, fast fünf Monate jung.).

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Während die ganze Familie fleißig vor sich hinwurschtelt, wird der glückliche Hund immer unglücklicher, denn leider mag er nicht malerisch unter dem Birnbaum liegen, sondern stattdessen alles, was zart grünt und sprießt aus der Erde rupfen, will tiefe Löcher in die wunderbar gelockerte Erde buddeln und sich hingebungsvoll in frisch gegossenen Erbsen wälzen. Das darf Lola natürlich nicht, weswegen sie angebunden wird. Da die Leine aber ziemlich lang gelassen wird (der arme, kleine Hund soll ja nicht gefesselt werden), sind vier Erdbeerpflanzen, die sie gerade noch erreichen kann, völlig kahlgefressen. Und es ist Lola völlig egal, ob sie rote oder grüne Erdbeeren oder gar Erdbeerblätter frisst, sie zerkaut einfach alles, spuckt es dann notfalls wieder aus. Das Hochglanzzeitschriftenbild von glücklichem Hund in üppigem Gemüsegarten muss offensichtlich noch ein bißchen warten, aber wenn es mal so weit ist, werde ich es knippsen und niemandem verraten, wie lange ich darauf warten musste. (oder womit ich den Hund dafür betäubt oder bestochen habe)

Um Lola nicht alles verbieten zu müssen, haben wir einen Teil der Ländereien der Grünen Villa abgesperrt. Dort darf sie frei herumflitzen, sehr tiefe Löcher buddeln und alle Äste, Zweige, Stöcke und Knorzen zerschreddern, die sie finden kann oder wir ihr in der vergeblichen Hoffnung, sie würde sie apportieren, in die Ecken schmeißen. Im Notfall darf sie dort auch pinkeln und kacken, immerhin ist sie fast noch ein Baby und ich bin da nachsichtig. Leider stehen in diesem Gartenstück noch etliche große Töpfe mit Funkien, die in naher Zukunft an den Gartentümpel ziehen sollen. Falls Lola sie nicht vorher völlig zerrupft hat. Das tut sie nämlich dann, wenn sie glaubt, dass sich niemand um sie kümmert, weil dann hat sie sofort meine volle Aufmerksamkeit. Genauso, wenn sie die Bergenien frisst, am Efeu kaut, die Kermesbeere ausgräbt oder Dutzende von grünen, runtergewehten Kirschen verschlingt.

Neulich half sie mir bei der Gartenarbeit, denn ich erlaubte ihr, so viel Giersch wie sie will auszureissen und wegzuscharren. Leider räumte sie regelmäßig meinen Grünschnitteimer wieder aus, in den ich den herausgerupften Giersch stopfte und als der Eimer dann auch noch kippte und mit viel Getöse auf ihrem Kopf landete, war es mit der Hilfe vorbei und sie suchte Schutz hinter den Funkien. (und begann augenblicklich, diese anzukauen.)

Meine Zeit im Garten beschränkt sich derzeit auf knapp anderthalb Stunden, von halb acht bis neun Uhr abends, wenn Kinder und Gatte die Hunderunde übernehmen. Dann hacke ich sehr hektische die Gemüsebeete, zupfe die unangenehmsten WildUnBeikräuter weg und werfe literweise Wasser in den Garten. Währendessen erschlage ich Millionen von Stechmücken, denn dank des Rheinhochwassers im Mai sind die eine echte Plage.

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Gießkannen findet Lola übrigens Klasse, nie schmeckt das Wasser besser, als wenn es über Nacht in der Gießkannen dekantiert wurde.

Trotz der kleineren und größeren Hundeablenkungen hat auch hier die Ernte begonnen. Lola frisst nicht alle Erdbeeren, für uns bleiben auch noch welche. Außerdem gibt es Erbsen, Kohlrabi und Salat. Die Paprikapflanzen blühen wie verrückt, die Bohnen klettern und sogar die Tomaten kommen aus dem Quark. Heute abend ernte ich die ersten Johannisbeeren und vielleicht können wir dem Rharbarber noch zwei, drei Stangen entreissen, um Rharbarberkuchen backen zu können. Ab dem 24. Juni (Johannistag) darf er ja nicht mehr geerntet werden.

Ich beende das Schwätzchen an dieser Stelle, denn soeben flitzte ein vorwitziger Welpe mit einem Gartenclog im Maul an mir vorbei und ich bin mir sehr sicher, dass sie diesen nicht als Schutz für zarte Pfoten braucht.

Gartenhilfe. Oder halt doch nicht.

Es ist ja nicht so, dass es im Garten keine Arbeit mehr gäbe. Ganz im Gegenteil! Gemüsebeete wollen gehackt werden, UnBeiWildkraut entfernt und die ersten verblühten Gewächse sollten zurückgeschnitten werden. Da der Regen bis heute (endlich!) fünf Wochen lang nicht kommen wollte, goss ich jeden Abend eine Stunde lang Gepflanztes in zwei Gärten und pumpte danach die Gießwasserfässer wieder voll. Tolles Krafttraining und Gartenarbeit ist ja auch mächtig entspannend, aber hey! Regen! Mehr davon bitte.
Scheinbar genug zu tun, aber irgendwie zog dann trotzdem plötzlich ein Hundebaby bei uns ein. Ein äußerst gartenbegeistertes Hundebaby, das mit allerniedlichsten Pfoten:

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jede Menge Scheißelkram im Garten anstellt. Zum Glück ist unser Rasen sehr weit von dem entfernt, was man einen gepflegten, englischen Rasen nennt, denn derzeit wird er als Notfalltoilette, Buddelplatz und Nahrungsergänzung (Gänseblümchen, Klee und manch Schnirkelschnecke) genutzt. Erreichbare Kräuter werden mit großer Wonne abgekaut und ich erkenne den Feinschmeckerhund sofort: macht nicht Halt vor Rosmarin, Pimpinelle und Currykraut.
Nach einem ausgedehnten Spaziergang hielt ich das Hundebaby für erschöpft genug, dass es angebunden im Gemüsegarten dösen möge, bis ich mit dem Gießen fertig bin. Dem war leider nicht so. Während ich knapp ein Dutzend Kohlrabi goss, fraß das Hundebaby zwei Erdbeerpflanzen mit Stumpf und Stiel und buddelte den Rharbarber halb aus.
Offensichtlich haben wir nicht den richtigen Zeitpunkt für einen Familienzuwachs gewählt (Winter wäre super, da ist ja fast nix zu tun), aber das ist nun halt so. Und wer könnte Lola schon böse sein?

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Wenn ich mal nicht gerade mit diesem Hundezeug wie Gassi gehen, „Sitz!“ beibringen und Hundebaby von Tisch, Bank und Bett klauben beschäftigt bin, zeige ich den Junigarten. Der ist nämlich – trotz Hundeschäden – ziemlich hübsch.

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Stöckchen? Stöckchen!

Machen wir doch so ein hübsches, altmodisches Bloggerding und schnitzen ein Stöckchen! Vanessa hat begonnen und von den „10 Dingen, die mich das Gärtnern gelehrt hat“ erzählt.

Hier sind meine 10 Dinge:

1. Egal wie sicher ich mir bin, dass ich mir merken kann, was ich wo gepflanzt habe: ich werde es vergessen. Ich muss mir dringend angewöhnen, Schildchen in die Erde zu stecken oder mir einen Plan zeichnen, in den ich eintragen kann, was wo wachsen wird/soll/könnte.

2. Die Babypflanzen von Romanesco, Blumenkohl, Rosenkohl, weißer Kohlrabi und Weißkraut sehen sich so ähnlich, dass es sein kann, dass ich zwanzig Rosenkohlpflanzen gesetzt habe und mir damit den lebenslangen Unmut meiner Kinder zugezogen habe.

3. Zwei Zucchinipflanzen reichen. Für zehn Menschen, die sehr hungrig sind und jeden Sommertag bis in den späten Herbst hinein gerne viele Zucchini essen möchten.

4. Irgendwo versteckt sich immer eine Brennnessel, in die man beim Jäten hineinfasst.

5. Wer einen von außen einsehbaren Garten hat, muss in Smalltalk geübt sein und stets Antworten auf diese und ähnliche Fragen haben: „Na? Wieder fleißig?“ oder auch „Wächst alles gut?“

6. Gutes Werkzeug ist wichtig! Schaufeln oder Hacken, die sich in der lehmigen Erde verbiegen oder gar abbrechen braucht niemand. Und dann ist es halt so, wie die 87jährige Nachbarin gerne betont: „Billig und gut gehören nicht zusammen.“

7. Gärtnern ist eine ernstzunehmende Tätigkeit, gleichzusetzen mit der Kindererziehung. Und wie bei dieser gehen Meinungen auseinander, weswegen sich leicht ein Streit vom Gartenzaun brechen lässt. Ob Bohnen nun gehackt werden dürfen oder Kartoffeln mehr als zweimal gehäufelt werden müssen, ob es Un- oder Wild- oder Beikraut heißt oder ob man am Morgen oder besser am Abend gießen sollte. Nicken, lächeln, so machen, wie man denkt. Das passt auch im Garten.

8. Hacken spart gießen, Regen auch. Letzterer wird von mir genauso hoch geschätzt wie von meiner Gartenkollegin. Mehr Regen für die Gärten!

9. Blattläuse sind doof, doch ohne Blattläuse gäbe es weniger Marienkäfer und Marienkäfer liebt eigentlich jeder. Schnecken sind fies, aber Igel mögen Schnecken und wer mag Igel nicht? Ich übe mich darin, das Ungeliebte anzunehmen und zu dulden. Aus Gründen halt.

10. Egal wie wütend oder traurig ich bin, wenn ich eine Stunde lang im Garten gewühlt, gebuddelt, gerupft und gezupft habe, bekomme ich das breite, glückselige Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. Esotheriker sprechen da von „sich erden“ und verflixt, da haben die recht.

 

So. Solch ein Stöckchen will ja rumkommen und deshalb beginne ich jetzt damit und werfe es der ambitionierten Balkongärtnerin Anne Schüssler zu. Vielleicht mag sie ja erzählen, was sie schon gelernt hat.

hübsch, aber gemein

Auf meinem Kartoffeläckerchen wachsen drei verschiedene Sorten Kartoffeln: Blaue Schweden, British Queen und Golden Wonder. Ausgesucht habe ich sie, weil sie nicht nur weiß, sondern sogar zartlila blühen. Und weil mir die Beschreibung von Geschmack und Beschaffenheit der Kartoffeln so gut gefiel. (rund 100 verschiedene Sorten!)

Die Kartoffeln haben ganz wunderbar ausgetrieben, wurden bereits säuberlich angehäufelt und von diversen Wild/Un/Beikräutern befreit. Ein Kartoffeläckerchen wie aus dem Lehrbuch.

Unglücklicherweise haben nun die Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) diese gehätschelten Kartoffelpflanzen entdeckt.

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Kartoffelkäfer sind wirklich hübsch, es lohnt sich sehr, sie sich genauer anzusehen. Unglücklicherweise sind Kartoffelkäfer immer hungrig und treten gerne in Rudeln? Herden? Scharen? auf. Ziemlich schnell wird dann aus einer üppigen, saftigen Kartoffelpflanze ein trauriges, zerrupftes Pflänzchen, das ums Überleben kämpft und keine Kraft mehr hat, um viele, leckere Kartoffeln auszubilden. Das wäre schade.

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Seit einigen Tagen krieche ich jetzt auf Knien durch mein Kartoffeläckerchen und sammele Kartoffelkäfer ab. Das macht nicht richtig viel Spaß, manchmal ist es sogar ein bißchen eklig, denn die Käfer haben kleine Widerhaken an den Beinen, mit denen sie sich an der Haut festkrallen können. Oder sie hinterlassen merkwürde Tröpfchen in gelborange. Schlau sind sie obendrein, denn sowie die Kartoffelpflanze ein klitzekleines Bißchen erschüttert wird, lassen sich die Käfer zu Boden fallen. Dort sind sie perfekt getarnt. (und kichern wahrscheinlich sehr leise.)

Aber was tue ich mit den abgesammelten Kartoffelkäfern? Sie in den Nachbargarten zu werfen wäre nicht nur gemein, sondern auch umsonst, da dort a) keine Kartoffeln gepflanzt sind und b) die Käfer fliegen können und schneller wieder da sind, als ich „Kartoffelkäfer flieg!“ singen könnte. Letztes Jahr habe ich die Käfer in ein Blechkännchen gepackt, Wasser aufgefüllt und einen Deckel auf´s Kännchen gelegt. Nach drei Tagen habe ich die tote-Käfer-Brühe zurück an die Kartoffeln geschüttet. Das war grausam und eklig. Und roch wirklich schlimm.

Dieses Jahr knacke ich die Käfer zwischen zwei Steinen. Das ist grausam und eklig. Und jetzt liegen da in der einen Ecke lauter zerschmetterte Kartoffelkäfer.

Gift spritzen wäre nicht ganz so mittelbar, aber nicht minder grausam und dafür noch doppelt eklig, weil … naja. Gift. Ist das dann in den Kartoffeln, die ich essen will? Was ist mit anderen Insekten?

Es ist ein Dilemma, doch Gärtnern ist eben auch immer ein bißchen grausam.

Wenn man die Kartoffelkäfer ignoriert, haben die ein glückliches Leben.

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An den Blattunterseiten der Kartoffelpflanzen lassen sich bald leuchtend gelbe Eigelege-Klümpchen finden, aus denen kurze Zeit später kleine, dunkelrote Kartoffelkäferlarven schlüpfen. Die kleinen dunkelroten Larven werden zu großen, herrlich pinkfarbenen Larven, die dann ziemlich schnell wieder zu Kartoffelkäfern werden. Ein Kartoffelkäferweibchen legt bis zu 1200 Eier. Meine knapp sechzig Kartoffelpflanzen hätten keine Chance.

Gibt es nicht eine Pflanze, die ich den Kartoffelkäfern ersatzweise anbieten könnte?

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