Monatsernte: März 2017

Eingrooven

Am Sonntag haben die Schwiegermutter und ich die Gartensaison eröffnet. Erst mal nur nach dem Rechten sehen, hieß es. Schneiden und hacken, wurde dann daraus.
Der Ton war beidseitig noch nicht mit Enthusiasmus gefüllt, wir müssen uns noch eingrooven nach der Winterpause. Ich hacke nicht richtig, so wird das nichts, so wächst nichts. Aha?! Wahscheinlich hat jemand im Winter gefehlt der Azubi ist, so wie ich?
Irgendwo ist auch im Winter das „ich mache nichts nächstes Jahr und schaue nur, ob Du des Garten erbens würdig bist“ verloren gegangen. Keine Spur mehr davon zu erkennen, es wird gekauft und  gepflanzt was das Zeug hält. Natürlich wie immer :-) . Aber das war ja eh klar.
Heute lief es schon ein kleines bisschen besser, und auch meine Vorfreude auf die Saison bewegt sich auf der Skala nach oben. Salat und Kohlrabi sitzen schon unter der Folie, ganz ohne mein zutun. Aber das war ja eh klar. Merkwürdig nur, dass sie es auf dem Beet gesetzt hat welches ich völlig falsch aufgelockert habe?

Es ist viel passiert im Winter, was Einfluss auf den Gadde und das Gärtchen dieses Jahr haben wird.
Ich muss mir keine Gedanken um eine „Gießhilfe“ während meiner Urlaube machen (mitten im Sommer), denn der Ex hat scheinbar den Scheidungsschock überwunden, ist freundlich zu mir und überaus hilfsbereit.
Der Freund ist kein Freund mehr, zumindest nicht meiner, und somit wird es auch keine schönen, spontanen oder wie auch immer selbstgemachten Gartenmöbel geben. Schade. Um die geplanten Gartenmöbel!
Im Gärtchen kann ich schalten und walten wie ich möchte, die Oma kann mir momentan nicht reinreden. Um die gakeligen Apfelbäume wieder auf Vordermann zu bringen habe ich vor 2 Wochen einen Obstbaumschnittkurs besucht. Es durft ja nichts verändert werden, ergo auch keine Apfelbäume geschnitten werden. Und was haben die es nötig, das erkenne ich jetzt mit meinem neuerworbenem Fachfrauenblick. Die Baumschere ist schon vom Gadde ins Gärtchen übergesiedelt und wartet auf ihren Einsatz.

Interview: Eine Ärztin, die erst nach Tansania ging, und dann in Berlin das Gärtnern wiederentdeckte

Es ist ein Mutter-Tochter-Projekt: Gemeinsam mit ihrer Tochter Katrin hat die Gärtnerin und Ärztin Eva Luber ein persönliches Gartenbuch verfasst. In „Blütenfreuden – Berichte aus Omas Garten“ erzählt sie aus ihrem Garten – und nebenbei auch aus ihrem Leben.

Eva Luber: Blütenfreuden - Buchcover mit Mohn

Eva Luber hat es geschrieben – ihre Tochter Katrin hat es gestaltet: das Buch „Blütenfreuden“.

Eva (70), die Mutter, lebt in Berlin und hat die Geschichten im Buch geschrieben. Katrin (41), die Tochter, wohnt in Diepholz in Niedersachsen und hat sie gesammelt, gelayoutet und mit Bildern versehen. Heraus gekommen ist eine Mischung aus persönlicher Lebenserfahrung, Gartentipps und schönen Fotos – aus dem Stadtgarten in Berlin-Wilmersdorf, aber auch aus Gartenreisen nach London und aus Eva Lubers Zeit außerhalb Europas.

Eva Luber: Blütenfreuden - Auszug aus dem Buch

Einstieg ins Buch

Man kann das Buch als eine zusammenhängende Geschichte von vorne bis hinten lesen – oder auch mittendrin einsteigen.

Das Besondere: Es enthält neben Persönlichem auch viel Wissen rund um den Garten. Eva Luber nennt passende Pflanzen für jede Ecke im Garten, gibt Tipps zum Düngen und Wässern, zu Obstbäumen und zur Unterteilung des Gartens und lässt uns, quasi im Nebensatz, an ihrem reichen Erfahrungsschatz teilhaben  (Leseprobe, pdf).

Eva Luber: Blütenfreuden - Auszug aus dem Buch

Neben persönlichen Geschichten gibt es viele Infos und einen reichen Erfahrungsschatz

Weil ich Eva Lubers Vita (Foto von ihr) so interessant finde, habe ich mich entschlossen, das Buch nicht nur einfach zu rezensieren, sondern auch ein kleines Interview mit ihr zu führen.

Das Buch ist sehr umfangreich. Sie haben bestimmt lange daran geschrieben, oder?

Geschrieben habe ich etwa zehn Jahre, vermehrt nach meiner Frühberentung. Einen Verlag habe ich etwa drei Jahre gesucht und dann in etwa einem Jahr das alles mit Katrin und meiner Mitoma Bärbel fertiggestellt.

Ihr Garten – liegt er direkt am Haus?

Der Garten gehört zum Elternhaus meines Mannes. Er und ich sind beide in Westberlin aufgewachsen, haben dann zwölf Jahre außerhalb Berlins und später auch außerhalb Deutschlands gelebt. Katrin war neun, als wir hier einzogen, nach unserer Zeit in Afrika.

Der Garten von Eva Luber

Eva Lubers Garten in Berlin-Wilmersdorf (Abbildung aus „Blütenfreuden“)

Sie waren damals in Tansania. Was haben Sie dort gemacht?

Dort arbeitete ich als Kinderärztin. In einem Dorfprojekt leitete ich Laienhelferinnen an, Mütter dazu zu bringen, ihren Kindern bei Durchfall reichlich zu trinken zu geben. Vorher, 1982, waren viele an Austrocknung gestorben. Dabei stellten wir fest, und konnten in einer Untersuchung mit 750 Haushalten belegen, dass einige der dort lebenden Ethnien Tabus kannten, ihren Kindern bei Durchfall Wasser zu geben. Diese Studie wurde dann meine Doktorarbeit.

Das hört sich an, als hätten Sie in Afrika viel gelernt, nicht nur beruflich. 

Ich machte die Erfahrung, dass den Kindern mehr geholfen wird, wenn Grundbedürfnisse wie Wasser, Nahrung, Sicherheit und Bildung gedeckt sind, als unsere Medikamente es konnten – schon weil diese oft fehlten.

In Afrika zu leben heißt sehr intensiv zu leben, vor allem, wenn man – wie wir – auf dem Land mit den Einheimischen lebt und nicht in Weißenghettos in den Städten. Ich habe immer versucht, die Menschen in ihrem Anderssein zu verstehen. Viel Beobachten, viel Zuhören, das hilft als Ärztin wie als Gärtnerin. Dei den eigenen zwei Kindern ging es noch nicht so gut, besser bei den drei Enkelkindern. Von denen durfte ich im Buch leider kein Bild verwenden, aber sie erlaubten mir ihre Namen zu nennen, weil ich für jedes Kindern Rosen mit seinem Namen fand.

Später kamen sie zurück nach Deutschland. 

Die Erfahrung des Public Health hat es mir schwer gemacht, in Deutschland klinisch zu arbeiten. Also habe ich den Kittel ausgezogen und mich als Gesundheitswissenschaftlerin qualifizierte – in London, wo ich wegen der Gärten hinging. Dort habe ich dann den Master of Science erworben. Das war vor 30 Jahren.

Dass Sie aber mal Ärztin waren, merkt man daran, dass Sie die Pflanzen gerne bei ihrem lateinischen Namen nennen. 

Die lateinischen Namen der Pflanzen helfen, vor allem wenn man im Ausland  Gärten beobachtet, zuhört und über sie spricht. Aus Prinzip verwende ich immer lieber die deutschen Namen, mache mich auch im Buch darüber lustig, dass nicht nur Gärtner die lateinischen Namen zum Wichtigtun nehmen, sondern auch viele Ärzte die deutschen Namen der Körperteile vergessen und dann auch noch mit ihrem Wissen der lateinischen Begriffe glänzen wollen.

In Ihrem Buch gibt es auch ein Kapitel, das sich damit beschäftigt, was man Gärtnerinnen schenken kann. Was empfehlen Sie?

Das ist das Kapitel „Ich habe Dir eine Pflanze nicht gepflückt, um Dir ihr Leben zu schenken.“ In Kürze: Ableger, wenn ich sicher bin, dass sie mich schon darum gebeten hat.  Oder eine wunderschöne Pflanze, die ich mit blutendem Herzen im eigenen Garten gepflückt habe. Sonst lieber einen Geschenkgutschein.

Dankeschön!

Infos zum Buch:

Eva Luber:
Blütenfreuden – Berichte aus Omas Garten 
ISBN: 978-3-00-052280-2.
Preis: 30 Euro

Das Buch kann über das Kontaktformular auf Eva Lubers Website bestellt werden.

Sechs Gemüsesorten für Anfänger

„Ich möchte demnächst auch Gemüse anbauen. Was eignet sich denn für Anfänger?“, fragte mich letztens eine Bekannte. Hier mal eine Liste, welches Gemüse sich gut für den Start ins Gärtnerleben eignet:

Mangold

Mangold

Das ultimative Einsteigergemüse ist Mangold. Mangold wächst überall. Er braucht wenig Pflege. Man kann ihn abschneiden, und er wächst nach. Die Ernte ist bis zum Frost möglich. Er eignet sich für Pasta, Quiche, Puffer und Flammkuchen und kann wie Spinat verwendet werden.

  • Vorteil: wächst auch im Halbschatten; sagt, wenn er gegossen werden möchte
  • Nachteil: beim Essen werden die Zähne stumpf

Zucchini

Zucchini

Zucchinis sind genügsam und versprechen schnelle Erfolge. Die Ernte ist meistens sehr ertragreich, auch wenn gegen Ende des Sommers immer der Mehltau kommt. Bis dahin hatte ich aber stets viele (manchmal fast zu viele) Früchte, ohne dass ich mich groß kümmern musste.

Zucchini sind vielseitig verwendbar, man braucht nur etwas Fantasie: gefüllt mit Feta oder Hack, als Zucchinipuffer oder auf dem Grill – mit Rosmarin, Knoblauch und Salz. Man kann auch nur die Blüten frittieren. Tipp: Gelbe Zucchini finde ich schmackhafter als grüner.

  • Vorteile: gute Ernte, wenig Pflege, resitent gegen Schädlinge
  • Nachteile: Zucchini benötigen Platz. Die Pflanzen nehmen gerne zwei Meter im Durchmesser ein.

Kohlrabi

Kohlrabi

Mit Kohlrabi hatte ich meistens Glück. Am besten als Setzlinge in der Gärtnerei oder im Baumarkt kaufen. Einsetzen, wenn kein Frost mehr zu erwarten ist. Anfangs tut sich nicht viel, dann geht’s aber ab. Vor Schnecken schützen und rechtzeitig ernten. Sobald die Kohlrabi schießen und oval werden, sind sie nicht mehr genießbar.

Ich esse Kohlrabi am liebsten froh – frisch geerntet.

  • Vorteile: wenig Pflege
  • Nachteile: müssen vor Schnecken geschützt werden, bei zu viel Regen und zu wenig Sonne unleidlich

Salat

Salatkopf

Ich nehme immer Kopfsalat und Lollo bionda. Vorteil beim Lollo: Man kann die Blätter von außen wegschneiden, und der Salat wächst weiter. Von zehn Pflanzen gedeihen bei mir acht. Nicht zu eng pflanzen, denn die Pflanzen werden später größer als gedacht. Unbedingt vor Schnecken schützen. Gießen, falls es nicht ausreichend regnet.

Sobald der Salat schießt, dass heißt aus der Mitte heraus in die Höhe wächst, wird er bitter. Also rechtzeitig ernten, wenn er eine ausreichende Größe hat.

  • Vorteile: auch gut geeignet für Balkonbeete oder -kästen; sagt, wenn er gegossen werden will
  • Nachteile: Schnecken lieben Salat

Möhren

Möhrenernte im Waschbecken

Auch Möhren sind genügsam. Allerdings werden sie nicht unbedingt so groß wie im Supermarkt. Wer sich aber mit kleinen Ergebnissen zufrieden gibt, fährt mit Möhren gut.

Ich säe Möhren im Frühjahr ein. Dann dauert es allerdings fast bis in den Herbst, bis ich sie ernten kann. Das Einsäen ist ein bisschen fummelig: Die kleinen Saatkörner in ausreichender Entfernung zu platzieren, erfordert etwas Geschick. Alternative ist ein Saatband. Das kann ich jedoch nicht empfehlen: Meine Möhrensaatbänder sind allesamt nicht angegangen.

Meiner Erfahrung nach haben Kinder großen Spaß an Möhren: Sie sind eine schöne Überraschung, wenn sie aus der Erde gezogen werden, und lassen sich dann gut essen.

  • Vorteil: gedeihen auch mit weniger Sonne, können gut mit Radieschen kombiniert werden
  • Nachteil: lange Reifezeit, es gibt wenig zu sehen

Tomaten

Garten im September: Thorsten im Gewächshaus

Tomaten eignen sich gut für den Balkon – fast sogar noch besser als für den Garten. Sie müssen geschützt stehen: Wind und Regen bekommen ihnen nicht gut. Außerdem benötigen sie viel Sonne. Wenn Sie also ein überdachtes, sonniges Plätzchen oder einen Südbalkon haben, sind Tomaten für Sie ideal. Anfängern empfehle ich, Pflanzen im Garten- oder Baumarkt oder bei der Gärtnerei des Vertrauens zu kaufen. Dann gelingen sie bestimmt.

Tomaten sollten einen ausreichend großen Topf haben. Außerdem sollten Sie die Pflanzen anbinden können. Bienen brauchen freie Fahrt; wenn Sie Zweifel haben, ob genug Bienen Ihre Pflanzen besuchen: einfach selbst mit einem Q-Tipp oder einem kleinen Pinsel nachhelfen.

Kleine Früchte sind besonders geschmacksintensiv. Besonders dunkle und gelbe Cherrytomaten kann ich empfehlen.

  • Vorteil: schmackhafte Früchte, bei guten Bedingungen reiche Ernte
  • Nachteil: brauchen viel Wasser und sind etwas wählerisch, was den Standort angeht

Viel Erfolg im Gartenjahr!

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