Monatsernte: Februar 2016

Winterschlaf

Es zeichnet sich ab, der Winterschlaf wird bald vorüber sein. Die Schwiegermutter hat angerufen, wir müssten dann mal….. Das heißt übersetzt, dass es beim nächsten halbwegs schönen Wetter losgehen kann.

Sie hat keinen Führerschein, also fahre ich Sie zu Preisvergleichen in diverse Gartenmärkte. Mir persönlich würde ja einer ausreichen, aber die Schwiegermutter ist sehr preisbewusst. Viele günstige Preise hat Sie aber auch auf ihrem Radar, so die Anzuchterde vom Discounter, jedes Jahr um die gleiche Zeit. Nur diese darf es dann auch sein.

Also sind wir losgezogen und haben vornehmlich Tomatensamen erstanden, ein bisschen Aubergine noch. Dazu besagte Anzuchterde und jetzt hat sie erst mal Beschäftigung sämtliche Fensterbänke in ihrer Wohnung mit vorgezogenen Pflanzen belegen. Von dort wandern sie dann zu gegebener Zeit ins Gewächshaus. Da ist es gut, dass ich einen Kompaktvan fahre. Als Single hätte ich eigentlich lieber gern ein flotteres Auto, aber dann könnte ich keine Schwiegermutter, Bio-Abfall nicht-kompostierbar, besagte Pflanzenumsiedlungen, 50L Säcke Mulch und ähnliches transportieren.

Während sie die Tomatentütchen begutachtet hat, bin ich zum Mulch rüber. Mulch ist mein Metier, gehört ja zur Kategorie Dreckvermeidung. Auch das eine Neuerung meinerseits, sie ist ja immerhin 50 Jahre ohne ausgekommen. Der technische Wart schlepp ganz emanzipiert die 50L Säcke nicht, der Dreck gehört ja nicht zu seiner Job Description. An der Kasse hat sie dann kurz gezuckt, weil ich uns zum normalen, ordinären Mulch auch einen Sack Kiefern- und Lärchenmulch gegönnt habe, für den wunderbaren Geruch, den ich so liebe. Für die preisbewusste Schwiegermutter läuft das unter Luxus, und „wehe man riecht da nichts“.

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Hallo, darf ich vorstellen……

Mein Name ist Nathalie, bin vor kurzem 50 geworden (hat gar nicht wehgetan) und ich bepflanze, ernte, jäte, gieße und kümmere mich um 2 Gärten. Als Ausgleich für meinen stressigen Vertriebsjob ist das super für den Kopf, weniger supi für den Rücken. Für den wiederum zum Ausgleich gibt’s dann Yoga in den Variationen Power, Yin und Hot.

Der eine Garten ist mehr ein „Gärtchen“ und ich teile mir ein Beet mit der Oma. Die Oma ist 88, meine Vermieterin, wohnt unten im Haus und ist resistent gegenüber jeglicher Veränderung, auch den Garten betreffend.

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Sie lässt gerne das Unkraut wachsen, „es blüht so schön“, was bei einem geteilten Beet durchaus Konfliktpotential birgt. Ich reiße gerne mal was raus, wenn sie nicht so genau hinschaut. Nebenher arbeite ich weiter an meinem Change Management bei der Oma, aber das geht noch langsamer als Pole Pole, wie der Kenianer sagt wenn er langsam meint. Was die Oma auf ihrer Seite pflanzt wird auch nicht geerntet. Entweder wächst nichts (der Tomatenstock im Vollschatten), oder sie lässt es blühen und gedeihen bis es umgeht.

Der andere Garten „der Gadde“ wie der Hesse sagt, ist in einer kleinen, wilden Kleingartenkolonie ohne Vorschriften, mit einem Lineal zu säen oder was sonst noch so in Gartenvereinen üblicherweise vorgegeben wird.

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Die handelnden Gärtner sind Ich, der Ex und meine Ex-Schwiegermutter. Sie ist zwar Ex, wird aber immer meine liebe Schwiegermutter bleiben. Das hindert sie aber nicht daran, gerne mal freundlich aber seeeehr bestimmt, anfallende Arbeiten zu verteilen.

Der Ex ist unser Technischer Wart und für alles grobe zuständig wie Rasenmähen, Beete umgraben, Reparaturen ausführen, Bäume fallen.

Die Schwiegermutter ist IMMER im Garten, und abwechselnd dann entweder der Ex oder ich, je nachdem was anfällt oder wer Zeit hat. Dann kommt man sich nicht unnötig in die Quere, schließlich ist man ja auseinander. Sie ist die Pächterin, hat den Überblick, sagt wo´s langgeht, welche Farben die Blumen dieses Jahr haben sollen, so halt. Wenigstens ist sie nicht Resistent gegenüber Wünschen und Veränderungen (sie gärtnert dort immerhin seit ca. 50 Jahren) und ich kann Erste Bio-Erfolge vermelden. Und das auch noch nachhaltig „Ach, Bio ist gar nicht sooo schlecht“.

Ich darf dann zuarbeiten, betreibe mein Hildegard-von-Bingen-Möchtegern-Kräuterbeet (Don`t touch it) und bin die Fachfrau für bodennahe spontane Begleitvegetation, vulgo Unkraut, im alpenländischen auch gerne Dreck genannt.

Der Gadde ist auch Ersatzmuckibude, denn zum gießen müssen wir das Wasser pumpen. Das gab letztes Jahr bei der anhaltenden Trockenheit 1A definierte Oberarme.

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Was tun mit vergessenen Blumenzwiebeln?

Letztens fragte mich eine Freundin: „Was mache ich mit Blumenzwiebeln, die ich übrig habe? Kann ich die jetzt noch einpflanzen?“

Meine Antwort in allen Pflanzfragen is jat: Die Natur wird’s richten. Das ist für den Fragenden ein bisschen unbefriedigend, möchte er sich doch unnötige Müh und Enttäuschung ersparen. Deshalb meine ganz konkrete Erfahrung in dieser speziellen Sache: Ja, kann man.

Normalerweise benötigen Frühjahrsblüher wie Krokusse, Narzissen, Osterglocken und Tulpen Frost, damit sie gut austreiben und schöne Blüten bilden. Deshalb pflanzt man sie im Herbst. Meine Erfahrung ist aber: Es geht auch ohne Frost und lange Monate in der Erde. Möglicherweise wird nur die Blüte nicht ganz so üppig.

Ist der Boden jetzt gefroren, kann man die Zwiebeln auch in Töpfe setzen, an einen kühlen Ort stellen und erst in den Garten setzen, wenn es dort wärmer ist. Tipps, wie die Blumen auch jetzt noch gut gedeihen, helfen den Zwiebeln, sich trotz des holprigen Starts gut zu entwickeln.

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Wo ist denn die andere Gärtnerin?

Hier ist sie! (Stellen Sie sich bitte vor, wie ich wild Arme schwenkend im zugewucherten Garten auf und ab springe)

Ich muss gestehen, die Sache mit dem Gärtnern (und dem darüber Bloggen) ist sehr vernachlässigt worden. Alles begann damit, dass dieser verrückte, mittlerweile gar nicht mehr so kleine Hund bei uns einzog, der mir die kostbare Gartenzeit stahl oder sich, wenn ich ihn im Garten frei laufen ließ, sehr kreativ buddelnd einbrachte. Und dann kam dieser unglaublich heiße, trockene Sommer, der die sehr lehmhaltige Erde in meinem Garten zu einer festen Platte zusammenbuk, durchzogen von tiefen Trockenheitsrissen. Das Grundwasser versiegte und ich hatte keine Möglichkeit mehr zu gießen. Mein Gartenspaß verdörrte wie die vielen Salatpflänzchen, die immerhin auch nicht von Schnecken gefressen wurden, denn denen war es auch zu trocken. Es folgte eine kurze, eher hektische Ernteperiode. Meine Paprikapflanzen mochten die Hitze sehr, sie trugen reichlich. Es wurde kühl und begann zu regnen, die Tomaten faulten an den Stöcken bevor sie auch nur annähernd reif waren, genauso war es mit den Zucchini. (was die Kindelein nicht allzu traurig machte)

Meine Zeit für den Garten wurde immer knapper, weil der nun recht große Hund zwei ausgedehnte Spaziergänge am Tag super fand (und findet), wir Geburtstage und sonstige Feste feierten und ich ein bißchen krank wurde.

Der Winter kam und brachte weder Frost noch gnädig verhüllenden Schnee mit. Und so laufe ich täglich bei der Hunderunde an meinem verwilderten Garten vorbei, werfe einen wehmütigen Blick hinein und schaue schnell wieder weg. Wieder daheim warten nämlich die ehrenamtlichen Aufgaben, die sich in den letzten Wochen und Monaten anhäuften. Ich habe keine Ahnung, wie das mit dem Garten (mit den Gärten, ich habe ja zwei) weitergehen wird. Vermutlich werden mich die ersten wärmeren Sonnenstrahlen sehr eindringlich in den Garten rufen und ja, ich vermisse es schon sehr, bis zu den Ellenbogen in der Erde zu stecken. Meine Pläne sind jedenfalls sehr zurückhaltend für dieses Jahr und so wird sicher auch die Bloggerei hier etwas spärlich ausfallen.

Ein Grund, dieser Gärtnerei unbedingt noch Platz einzuräumen ist ja, dass ich noch immer ernten kann:

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Rotkohl, Weißkohl, Spitzkohl und sogar ein paar kümmerliche Rosenköhlchen verstecken sich unter der Spontanvegetation und bereichern unseren Speiseplan. Ich finde ja, dass Rotkraut zu den allerschönsten (und -leckersten) Gemüsen gehört!

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Außerdem sind sämtliche Kohlsorten ausgesprochen anspruchslos und schon deshalb muss ich den Garten wieder freischaufeln, um ihnen Platz zu geben. Und dann natürlich hier darüber berichten.

Grünschnittwetter

Spätestens, wenn die Straßenmeistereien mit dem Grünschnitt beginnen und Staus auf den Autobahnen produzieren, weiß die findige Gärtnerin: Jetzt ist es Zeit, auch im eigenen Garten Hand anzulegen.

Gleichzeitig ist es ein schönes Ritual, um das neue Gartenjahr einzuläuten: Alles in Form stutzen, damit es ab dem Frühjahr umso üppiger wachsen kann.

Diesmal lag der Schwerpunkt auf der Haselnuss.

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Die Haselnuss steht an der Grenze zum Nachbargrundstück und wuchs ursprünglich bis an die Dachrinne des Hauses hinauf. Die Nachbarn im zweiten Stock wohnten vollständig im Wald. Ich glaube, das hat sie gar nicht mal gestört, trotzdem haben wir die Haselnuss bei unserem Einzug großzügig gekappt.

Doch sie wächst sehr schnell. Außerdem zieht sie mittlerweile die Terrasse der Nachbarn zur Rechten in Mitleidenschaft und nimmt dort Platz weg. Die Nachbarn haben sich noch nicht beschwert; sie schneiden einfach weg, was sie stört. Aber die Arbeit muss ja nicht sein.

Also lieh der Mitbewohner eine elektrische Motorsäge aus, und wir kappten vorne und hinten ein paar der vielen Stämme.

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Das hat auch den Vorteil, dass die frisch gepflanzten Apfelbäume zukünftig mehr Licht bekommen. Denn die Sonne kommt ab dem Mittag aus Richtung der Haselnuss, so dass sie Licht wegnimmt.

Die Arbeiten mit der Elektrosäge liefen reibungslos: Für das, was sie tun sollte, war die Kraft der Säge absolut ausreichend.

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Die Arbeiten produzieren natürlich jede Menge Holz. Doch anders als bei den Baumschnitten vorher, nach denen wir immer auf einem Haufen Grünzeug saßen und nicht wussten, wohin damit, lernen wir dazu und haben uns schon vorher überlegt, was wir mit den Resten tun wollen.

Die Äste haben wir erstmal an der Hauswand gelagert. Sie werden in den Hochbeeten des Gewächshauses, die der Mitbewohner im März baut, eine Grundlage für den Gemüseanbau bilden.

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Dazu werden wir sie häckseln und auf dem Boden der Hochbeete verteilen. Im nächsten Jahr werde ich vielleicht kleine Beet- und Wegeinfassungen daraus bauen.

Die Stämme gehen an die Verwandtschaft im Sauerland. Dort stehen Kaminöfen, die sich über Futter freuen.

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Außerdem behalte ich zwei oder drei, um den Haufen Totholz, den ich ohnehin im Garten habe, etwas anzureichern. Das freut die Insekten und die Molche.

Die übrigen Büsche und Bäume waren gut in Schuss, so dass wir dort nur wenig weggeschnitten haben: ein bisschen an der Kirsche, ein bisschen am Hibiskus. Am Kirschbaum haben wir die Äste entfernt, die aus der Krone direkt und gerade nach oben wachsen. Tipps zum Baumschnitt, insbesondere bei Obstgehölzen, gibt es unter anderem hier und hier.

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Ein Blick in andere Gärten

Taifun Tofu und die Landessaatzuchtanstalt der Uni Hohenheim möchten Soja in Deutschland heimisch machen. Dazu suchen Sie MitgärtnerInnen, die testweise Soja bei sich im Garten anbauen:

„Sie bauen im Jahr 2016 in Ihrem Garten 12 verschiedene Sojastämme in 12 Reihen an, melden Daten zum Vegetationsverlauf und senden einige reife, trockene Hülsen an uns zurück. Das Soja-Saatgut und eine Anbauanleitung erhalten Sie per Post von uns.“ 

Mehr dazu und Bewerbung auf der Website www.1000gaerten.de.

Der Genießergarten hingegen hat Tipps zur Düngung von Blumenzwiebeln.

Noch bis vor ein paar Jahren war Grünkohl ein piefiges Hausmachergemüse. Dank Smoothie-Kultur ist es nun ein Hipster-Gemüse – munkelt man. In Dortmund kriege ich davon nicht so viel mit.  Es gibt aber schon Anti-Hipsterness-Artikel wie diesen: „Warum wir aufhören sollten, über Grünkohl zu lästern.“

Ein Blog, das ich gerade neu entdeckt habe, ist „Das Gartenfräulein“.

Die größte Zoohandlung der Welt gehört Norbert Zajac und befindet sich in Duisburg. 250.000 Tiere leben dort. Eine Reportage. 

Ein Beitrag übers Serviettenfalten – mit Faltanleitung. Ich bin da absolut untalentiert, aber machen Sie ruhig. Sie können das bestimmt.

Prince Charles ist ein passionierter Gärtner. Bereits seit Anfang der 1980er Jahre bewirtschaftet er den Landsitz Highgrove nach biologisch-dynamischen Prinzipien. Ein einstündiger Besuch bei ihm:

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Schneeglöckchen

Die ersten Schneeglöckchen blühen:

Schneeglöckchen

Der Gartenbauer hat übrigens nicht nur Erde von links nach rechts geschaufelt, sondern offenbar auch Blumenzwiebeln. An Stellen, an denen ich ganz sicher nichts eingepflanzt habe, deuten sich Überraschungen an. Ich freu mich!

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